Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen: Wenn Mädchen Mütter werden


23.10.2013
Dr. Babatunde Osotimehin, Exekutivdirektor des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) traf sich mit Uwe Kekeritz in Berlin um die anstehenden Herausforderungen für die auslaufenden Millenniumentwicklungszielen zu diskutieren. Insbesondere das Thema Mädchenrechte und Müttergesundheit stand im Fokus der Diskussion.

In diesem Zusammenhang verwies Babatunde Osotimehin auf den Weltbevölkerungsbericht 2013, der insbesondere Teenagerschwangerschaften thematisiert. „In Entwicklungsländern bekommen täglich 20.000 Mädchen unter 18 Jahren ein Kind. Oftmals sind Schwangerschaften und Geburten im Teenageralter mit schweren gesundheitlichen Konsequenzen verbunden. Gleichzeitig hängen die Überlebenschancen von Neugeborenen eng mit der Gesundheit der Mutter zusammen“, so der Exekutivdirektor. Kekeritz ergänzte, dass „Schwangerschaften im Mädchenalter auch oftmals gravierende Auswirkungen auf die beruflichen Zukunftschancen der Mädchen haben. Die jungen Mütter brechen häufig die Schule oder Ausbildung ab und setzen sich so einem deutlich höheren Armutsrisiko aus.“ Kekeritz betonte, dass „junge Frauen selbst entscheiden müssen, wann für sie der richtige Zeitpunkt ist, Kinder zu bekommen. Armut, sozialer Druck und mangelnde Gleichstellung hindert aber viele Mädchen und Frauen insbesondere in Entwicklungsländern daran.“  Kekeritz wolle sich daher auch für die Geschlechtergerechtigkeit als zentrales Element in der Entwicklungspolitik stark machen. Und dazu brauche es nicht nur klare Strategien, sondern auch die finanziellen Ressourcen. Deutschland könne mehr tun, so der Abgeordnete.

Weltbevölkerungsbericht 2013

Der Weltbevölkerungsbericht 2013 stellt Schwangerschaften von Mädchen im Teenageralter nicht zuletzt aufgrund der hohen Zahlen in den Vordergrund: 7,3 Millionen Mädchen werden in Entwicklungsländern Mutter bevor sie 18 sind – davon sind zwei Millionen Mädchen noch keine 15 Jahre alt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die Zahl bis 2030 auf drei Millionen ansteigen. Diese frühen Schwangerschaften wirken sich negativ auf die Bildung, Gesundheit und die langfristigen Beschäftigungschancen der Teenager aus. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass in Entwicklungsländern jährlich rund 70.000 Mädchen zwischen 15-19 Jahren bei der Geburt oder infolge von Komplikationen bei der Schwangerschaft sterben.

Der Bericht betont, dass Schwangerschaft bei heranwachsenden Mädchen das Resultat verschiedener Faktoren ist – zu diesen gehören unter anderem mangelnde Geschlechtergerechtigkeit, Armut, sexualisierte Gewalt, mangelnde Chancen im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt, sowie die Akzeptanz von Kinderehen. Insbesondere die Tatsache, dass neun von zehn Geburten innerhalb einer (Kinder-)Ehe stattfinden, zeigt, dass die Mädchen in erschreckendem Ausmaß ihrer Rechte beraubt werden. Der Weltbevölkerungsbericht weist darauf hin, dass sich die Maßnahmen zur Vermeidung von Teenagerschwangerschaften bislang zum Großteil darauf beschränken, das Verhalten der Mädchen zu ändern. Die Rolle von Männern und Jungen wird dabei vernachlässigt.

Würde die UN-Kinderrechtskonvention konsequent umgesetzt und die darin manifestierten Rechte der Mädchen gewahrt werden, wäre auch das Problem der Teenagerschwangerschaften beseitigt. Den heranwachsenden Mädchen muss nicht nur der Zugang zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte ermöglicht, sondern sie müssen ebenso aus den wirtschaftlichen und sozialen Zwängen befreit werden. Damit junge Mädchen selbstbestimmt leben können, muss ihre Kompetenz eigenständig Entscheidungen zu treffen gefördert und ihnen echte Alternativen eröffnet werden. Diese Ziele könnten nur erreicht werden, wenn die Zusammenarbeit über alle Sektorengrenzen hinweg sowie unter Einbeziehung der Mädchen stattfinde, so der Bericht.