WHO versagt im Fall Fukushima – eine Reform ist bitter nötig


06.04.2011

Zum Weltgesundheitstag am 7. April 2011 erklären Uwe Kekeritz, Vorsitzender des Unterausschusses Gesundheit in Entwicklungsländern, und Harald Terpe, Obmann im Ausschuss für Gesundheit:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre leitende Funktion in der internationalen Gesundheitspolitik verloren. Sie hat falsche Prioritäten gesetzt, große Gesundheitsprobleme wie die HIV/Aids-Krise verschlafen und ist seit dem kritischen Verhalten während der Schweinegrippe-Affäre in den Verdacht geraten, der Pharmaindustrie hörig zu sein. Eine Reform der WHO ist daher bitter nötig.

Auch in der aktuellen Atomkrise in Japan kommt die WHO ihren Pflichten nicht nach: Studien und Daten zu den gesundheitlichen Gefahren der Atomkraft werden nicht veröffentlicht, die Welt wird nicht über Gesundheitsrisiken informiert.  Grund ist ein Abkommen mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) aus dem Jahr 1959, nach dem die WHO in Atomfragen nicht ohne die Zustimmung der IAEO veröffentlichen darf.

Die globale Gesundheitspolitik braucht eine offene, demokratische, fachlich unabhängige und transparente Instanz, die international verbindliche Normen setzt und die unzähligen Gesundheitsinitiativen koordiniert. Diese Instanz könnte die WHO wieder werden, wenn sie eine umfassende Reform ihrer Strukturen zulässt.

Jedes Jahr erinnert die WHO mit dem Weltgesundheitstag an ihre Gründung am 07.April 1954. Im kommenden Mai sollen die Strukturen der WHO im Rahmen der Weltgesundheitsversammlung reformiert werden.

PM_Kekekritz_060411_who_fukushima.pdf