Welthunger-Index 2020: Ein anderes Ernährungssystem ist nötig


12.10.2020
Zur Veröffentlichung des Welthunger-Index erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

Die Fortschritte der Nuller-Jahre bei der Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung haben sich verlangsamt oder sogar umgekehrt. Gründe waren vor allem bewaffnete Konflikte, die Folgen der Klimakrise, immer stärkerer Marktkonzentration und wachsende Ungleichheit. Nun trifft die Corona-Pandemie die ohnehin von Hunger bedrohten Länder des Globalen Südens mit voller Wucht. Unterbrochene Lieferketten, Arbeitslosigkeit, Ausgangssperren, die für viele Menschen den kompletten Wegfall ihres Einkommens bedeuteten, haben schon jetzt dazu geführt, dass Millionen Menschen zusätzlich an Hunger leiden. Das Ziel „Null Hunger“ bis 2030 zu erreichen, rückt in weite Ferne.

Die mittel- und langfristigen Folgen der Pandemie sind noch nicht einmal genau zu beziffern. Absehbar ist aber, dass sich die Ernährungssituation in vielen Ländern auf Jahre verschlechtert, wenn Bäuerinnen und Bauern durch Einkommenswegfall oder Ausgangssperren ihre Felder nicht bestellen oder Ernten einholen können.

Um das globale Ernährungssystem nachhaltig zu stärken, muss die Abhängigkeit des Globalen Südens von Nahrungsmittelimporten und übermächtigen Agrarkonzernen verringert werden. Ein agrarökologischer Umbau mit der Stärkung kleinbäuerlicher Strukturen, sowie der Ausbau lokaler und regionaler Märkte muss bei der Bekämpfung von Hunger im Zentrum der entwicklungspolitischen Anstrengungen stehen. Die europäische Agrarpolitik und der internationale Handel müssen gerechter gestaltet werden und die Auswirkungen auf Hunger und Entwicklung im Globalen Süden berücksichtigen. Handelsabkommen müssen an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 und dem Pariser Klimaabkommen aus gerichtet werden.