Weltaidstag: Weltweite Versorgung mit Medikamenten in Gefahr


30.11.2009
Im weltweiten Kampf gegen HIV/AIDS wurden richtungsweisende Fortschritte erzielt. Die neuesten Daten bestätigen einen Rückgang der Todesfälle auch in den Entwicklungsländern.

Im weltweiten Kampf gegen HIV/AIDS wurden richtungsweisende Fortschritte erzielt. Die neuesten Daten bestätigen einen Rückgang der Todesfälle auch in den Entwicklungsländern. Die bisher erzielten Erfolge beruhen nach Ansicht des grünen Bundestagsabgeordneten Uwe Kekeritz auf einer breiten Aufklärungsarbeit, einer deutlichen Verbesserung der Medikamente und der medizinischen Betreuung vor Ort. Jahrelang waren AIDS-Erkrankungen ein für tausende Menschen tödliches Tabuthema. Das Aufbrechen des Tabus war die entscheidende Voraussetzung, um wirklich positive Veränderungen in Gang zu bringen.

Ein weiterer wichtiger Faktor war der radikale Preisverfall der Medikamente in den ärmsten Ländern. Dieser konnte aufgrund einer internationalen Solidaritätswelle gegen die Interessen der Pharmaindustrie durchgesetzt werden. Indische Firmen versorgen weltweit Entwicklungsländer mit hochwertigen Generika. Diesen Erfolg sieht Uwe Kekeritz gefährdet, da die Pharmaindustrie ihre Produkte wieder mit einem stärkeren Patentschutz ausstatten möchte und versucht die rechtliche Bindungswirkung des Patents auf 25 Jahre zu verlängern. Bisher haben indische Gerichte diese Ansinnen abgelehnt.

Scharfe Kritik übt Kekeritz an der EU-Politik, die im Interesse der Pharmalobby und gegen die Bedürfnisse von Millionen infizierter Menschen die rechtliche Auffassung Indiens ignoriert und beim Transit indische Generikalieferungen beschlagnahmt — so geschehen in Amsterdam, Paris und Frankfurt. Diese Medikamente entscheiden über Leben und Tod von Menschen in den ärmsten Ländern dieser Welt. Die EU und damit auch die Bundesregierung müssen sich eindeutig gegen die Profitinteressen der Pharmalobby aussprechen und die Versorgung mit hochwertigen Medikamenten zu einem niedrigen Preis sicherstellen.

Auch deshalb gibt es keinerlei Anlass, sich auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. Die Zahl der HIV-infizierten Menschensteigt weiterhin an und immer noch erhält die Mehrheit der Menschen mit HIV/AIDS keine angemessene Behandlung.

Die Verbesserung der Verteilungsstrukturen in den Entwicklungsländern muss nach Ansicht von MdB Kekeritz massiv verbessert werden. Noch immer frisst die Korruption in diesen Ländern einen großen Teil des möglichen Erfolgs auf. Untersuchungen lassen die Befürchtung zu, dass von 100 Dollar, die für Medikamente zur Verfügung gestellt werden, lediglich zwölf Dollar in Form von Medikamenten bei den Erkrankten ankommen. Ein großer Teil der verbleibenden 88 Dollar dürfte der Korruption zum Opfer fallen. Im Interesse der HIV-Infizierten muss die Hilfestellung aber auch ein massiver Druck und eine verbesserte Kontrolle auf die Verantwortlichen in den Entwicklungsländern ausgeübt werden.

Eine angemessene medizinische Versorgung ist ein unabänderliches Menschenrecht – alle Länder müssen dazu beitragen, dieses Recht umzusetzen.

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