Quelle-Abwicklung menschenwürdig gestalten


01.11.2009
Die Insolvenzverwalter des pleite gegangenen Arcandor-Konzerns mit seinem Fürther Standbein Quelle scheinen ein besonderes Talent für Zynismus zu haben.

Die Insolvenzverwalter des pleite gegangenen Arcandor-Konzerns mit seinem Fürther Standbein Quelle scheinen ein besonderes Talent für Zynismus zu haben. Ausgerechnet an Allerheiligen, dem Tag des Totengedenkens, läuten sie die letzten Wochen für den einstmals größten Versandhändler mit dem größten Ausverkauf aller Zeiten ein. Noch einmal darf, so zynisch das auch klingt, die Quelle ein Superlativ für sich in Anspruch nehmen. Doch dann ist Schluss. Ein für alle mal.

Ähnlich makaber ist der Umgang mit jenen, die Quelle zu dem gemacht hat, was sie war und worauf Fürth lange stolz sein durfte. Zigtausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steckt der Schock vom 20. Oktober noch in den Knochen. Man dachte, schlimmer könne es nicht kommen. Aber weit gefehlt: Noch immer stehen zahlreiche Angestellte ohne ihre Papiere da. Somit können sie auch keine Unterstützung durch die Arbeitsagentur beantra­gen, so dass diese zu einem – dankenswerterweise – kulanten Handeln gezwungen ist. Nur so ist sichergestellt, dass die Frauen und Männer mit ihren Familien nicht ohne Geld im kommenden Monat dastehen. Bis zuletzt wussten zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch immer nicht, ob sie noch einige Wochen weiter beschäftigt werden oder ob es für sie die bitterste aller Pillen zu schlucken geben sollte: Die Arbeitslosigkeit.

Nicht nur die quälende Ungewissheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeugt vom fehlenden Fingerspitzengefühl, sondern erst recht die Tatsache der wohl bislang einmaligen Unterrichtung der Betroffenen von Ihrer Freistellung zum Ende des Monats per Telefon am letzten Werktag des Monats. Bei allen vom Insolvenzverwalter zu verantwortenden und nicht zu verantwortenden Schwierigkeiten bei Quelle beziehungsweise Arcandor: Das haben die Menschen bei Quelle nicht verdient und so darf man mit ihnen nicht umspringen. Ein solches Gebaren ist nicht hinnehmbar.

Für die neue Bundesregierung heißt das: Ran ans Insolvenzrecht! Die Stellung der Arbeit­nehmer und die Anreize zum Erhalt von Arbeitsplätzen müssen gestärkt und die vom Ar­beitsplatzerhalt unabhängige Vergütung der Insolvenzverwalter abgeschafft werden. Zu viele insolvente Unternehmen werden in Deutschland zu schnell liquidiert, statt gerettet. Dass es auch anders geht, zeigen unsere europäischen Nachbarn!

Für Quelle bedeutet es: Selbst die Chance, das letzte zu retten, was dem Unternehmen verblieben ist, seine Unternehmenskultur und die einstmals vorhandene soziale Verant­wortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wurde vertan und mit Füßen getreten.