Kinderarbeit bekämpfen heißt soziale Ungleichheit und Armut global bekämpfen


15.06.2020
Zum Welttag gegen Kinderarbeit erklären Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik, und Katja Dörner, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik:

„Kinderarbeit ist himmelschreiendes Unrecht. Kinder gehören nicht auf Kakaoplantagen oder in Steinbrüche. Sie haben ein Recht auf Kindheit, Gesundheit, Bildung und persönliche Entwicklung. Doch immer noch müssen weltweit 152 Millionen Kinder Kinderarbeit verrichten, also fast jedes zehnte Kind. Diese Zahl droht nun durch die globale Corona-Krise um Millionen weitere Kinder anzusteigen. Denn diese Krise verschärft bestehende soziale Ungleichheiten und Armut weltweit noch weiter. Ihren Auswirkungen sind Kinder oft in besonderem Maße ausgesetzt. Die Konsequenzen aus rapide steigender Armut und Unterernährung, aus geschlossenen Schulen und überlasteter Gesundheitsversorgung formen ihre Lebenschancen jetzt und in Zukunft.

Wir müssen die Perspektive und die Rechte von Kindern sowohl bei Krisensofortmaßnahmen mitberücksichtigen als auch die strukturelle soziale Ungleichheit und Armut angehen, die Kinderarbeit begünstigen – jetzt in der Krise und darüber hinaus! Kinderarbeit wird schlicht nicht enden, solange die globalen Handelsbeziehungen unfair ausgestaltet sind. Denn ausbeuterische Kinderarbeit und andere Menschenrechtsverletzungen in den Lieferketten bedeuten vielmals einen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Das ist leider der Status Quo. So wichtig Maßnahmen wie gesetzliche Verbote von Kinderarbeit oder Aufklärungsarbeit über die Rechte von Kindern sind – solange auf den Kakaoplantagen, in den Textilfabriken und anderen Sektoren keine existenzsichernden Löhne gezahlt werden, werden Kinder vielerorts zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen müssen statt zur Schule zu gehen.

Ganz klar stehen auch deutsche Unternehmen in der Verantwortung, für Produkte aus dem globalen Süden faire Preise zu zahlen, die existenzsichernde Löhne ermöglichen. Hungerlöhne in Bangladesch oder Kongo dürfen nicht die Grundlage für den Erfolg der deutschen Wirtschaft sein. Die Bundesregierung muss endlich ein ambitioniertes Lieferkettengesetz verabschieden, damit die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards entlang der Lieferketten verpflichtend, sanktionsbewährt und einklagbar ist. Die öffentliche Beschaffung in Deutschland muss konsequent ökologisch und fair ausgerichtet werden, um die Arbeitsbedingungen weltweit zu verbessern und somit Kinderarbeit vorzubeugen. Freihandelsabkommen m  52;ssen endlich fairen Handel vor Profitinteressen stellen. Auch Konsument*innen können durch ihr Kaufverhalten Einfluss nehmen – aber es braucht ehrgeizige Standards für die Kennzeichnung von Produkten und keine unübersichtliche Flut von freiwilligen Labels damit Konsument*innen sich überhaupt gegen den Kauf von Produkten aus Kinderarbeit entscheiden können.

Wie so oft gilt: Die deutsche Politik muss zuallererst vor ihrer eigenen Haustür ansetzen und Maßnahmen wie ein Lieferkettengesetz auf den Weg bringen, um soziale Ungleichheit und Armut weltweit zu verringern. Damit wäre Kindern am meisten geholfen.