In Fürth Pinkeln weiter nur nach Fahrplan


21.04.2011
Wenn es nach der Bahn geht, muss man in Fürth zum Wasserlassen auch weiter auf den Zug warten. Hoffentlich hat der dann auch eine funktionierende Toilette.

„Wenn es nach der Bahn geht, muss man in Fürth zum Wasserlassen auch weiter auf den Zug warten. Hoffentlich hat der dann auch eine funktionierende Toilette,“ kommentiert der Fürther Abgeordnete Uwe Kekeritz die Antwort der Bahn auf seinen Brief zum Zustand des Fürther Hauptbahnhofs. Kekeritz, der selbst oft und gerne mit dem Zug unterwegs ist, weiter: „Pinkeln nach Fahrplan, ist mal was Neues. Hoffentlich ist der Zug dann auch pünktlich.“

Zusammen mit dem bahnpolitischen Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion Toni Hofreiter und verschiedenen Fürther Verbänden hatte Kekeritz der Deutschen Bahn einen Brandbrief zum desolaten Zustand des Fürther Hauptbahnhofs geschrieben. Darin listen sie insgesamt elf Mängel auf. Unter anderem kritisieren Kekeritz, Hofreiter und die Verbandsvertreter, dass am Hauptbahnhof Fürth derzeit Toiletten fehlen.

Die Antwort der Bahn: „Die DB [ist] nicht verpflichtet, in Bahnhöfen Toiletten vorzuhalten,“ so der Konzernbevollmächtigten für Bayern, Klaus-Dieter Josel, in seinem Antwortschreiben. Josel schiebt die Verantwortung an die Stadt ab. Sie sieht der Konzernbevollmächtigte unter Berufung auf die Bayerische Gemeindeordnung in der Pflicht, die „öffentliche Reinlichkeit“ aufrecht zu erhalten.

„Kundenservice sieht anders aus. Auch wenn die Toiletten hauptsächlich wegen des S-Bahn-Baus fehlen, sollte die Bahn eine ordentliche Übergangslösung schaffen,“ fordert Kekeritz und meint weiter: „Es ist eine Schande, wenn sich die Bahn hinter Paragrafen versteckt. Die Notdurft ihrer Kundinnen und Kunden soll Sache der Stadt sein. Die Stationsentgelte bleiben aber bei der Bahn.“ Der jetzige Zustand soll außerdem bis zu einem Komplettumbau des Bahnhofsgebäudes so bleiben – mangels Investoren ist der aber unabsehbar.

Die Zukunft des Hauptbahnhofs, genauer des Gebäudes, wird deshalb Thema bei einem Gespräch zwischen Bahnvorstand Rüdiger Grube, Oberbürgermeister Thomas Jung und Uwe Kekeritz sein. Dieses findet auf Initiative des Fürther Bundestagsabgeordneten am Rande des Fürth-Marathons Anfang Juni in Fürth statt.

Im Vorfeld dieses Treffens will Kekeritz auch die Fürther Bürgerinnen und Bürger mit einem Ideenwettbewerb einbinden. „Mehr als 100.000 Köpfe haben mehr Ideen als Herr Grube, der Oberbürgermeister und ich samt unserer Mitarbeiterstäbe“, gibt sich Kekeritz zuversichtlich. Die Vorschläge aus der Bürgerschaft sollen dann nach einer eingehenden Auswertung ins Gespräch einfließen.

 

Hintergrund:

Insgesamt elf Mängel und Wünsche sowie zahlreiche Lösungsvorschläge zum Hauptbahnhof Fürth hatten die grünen Bundestagsabgeordneten Uwe Kekeritz und Toni Hofreiter in einem Brief Mitte März 2011 an die Deutsche Bahn gerichtet.

Unterstützt wurde das Schreiben des Fürther Abgeordneten und des bahnpolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion von einem breiten Bündnis: Harald Riedel (Stadtrat), Lydia Bauer-Hechler (Kreisvorsitzende der Grünen Fürth), Lothar Wüster (Behindertenrat), Alfons Kirchner (Seniorenrat), Lothar Berthold (VCD), Reinhard Scheuerlein (BN) und Thomas Schwerdtner (ADFC).

Im Einzelnen kritisierte das Bündnis den desolaten Gebäudezustand und dessen unzureichende Nutzung, die mangelnde Eignung des Hauptbahnhofs der siebtgrößten Stadt Bayerns für mobilitätseingeschränkte Personen, fehlende Aufzüge an den Gleisen, fehlende Toiletten nicht nur während des S-Bahn-Baus, die verbesserungsfähige Eignung des Bahnhofs für Radler sowie die schlecht gelöste Verknüpfung zum Car-Sharing-Angebot. Außerdem wurde die Einrichtung von einzelnen Fernverkehrszügen insbesondere am frühen Morgen und späten Abend gefordert.

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