Gewalt darf nicht weiblicher Alltag bleiben


24.11.2010
Am 25. November ist internationaler Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen weltweit“.

Uwe Kekeritz, Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion für Gesundheitspolitik in Entwicklungsländern und Claudia Stamm, Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion für Gleichstellung, erklären zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen:

Gewalt darf nicht weiblicher Alltag bleiben
25.11. internationaler Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen weltweit“ 

Frauen in Entwicklungsländern sind besonders von Gewalt bedroht. Oft leben sie in Krisengebieten. Soldaten setzen Massenvergewaltigungen gezielt als „Waffe“ gegen Frauen ein. Aber auch in den westlichen Industrienationen werden Frauen geschlagen und sexuell missbraucht. Denn keine Gesellschaft auf der Welt ist geschlechtergerecht.

„Wenn Frauen aus Krisen- und Kriegsgebieten in Bayern Schutz suchen, wird sexualisierte Gewalt noch zu selten als ernste Bedrohung für Leib, Leben und Psyche gesehen. Geschlechtsspezifische Gewalterfahrungen von Flüchtlingen müssen in der Praxis stärker berücksichtigt werden,“ fordert Claudia Stamm, gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion. „Wir müssen mit unserer Entwicklungspolitik Frauen stark machen, damit sie sich vor Gewalt schützen können“ ergänzt Uwe Kekeritz, Sprecher für Gesundheit in Entwicklungsländern der Grünen Bundestagsfraktion.

Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Alltagsphänomen. Frauen sind mehr von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt bedroht als von Krebs, Autounfällen, Kriegen und Malaria zusammen. Besonders erschreckend ist, dass vertraute Menschen, Partner oder männliche Verwandte zuschlagen oder vergewaltigen. Die Hälfte aller ermordeten Frauen wurde von ihren aktuellen oder ehemaligen Partnern getötet.

Der 10. Jahrestag der Beschlussfassung des UN Sicherheitsrates über die UN Resolution 1325 sollte daher Mahnung sein, diese konsequenter umzusetzen: Die UN-Resolution 1325 war ein Meilenstein für eine gendersensible Friedenspolitik: Darin wurden erstmals Konfliktparteien aufgerufen, die Rechte von Frauen zu schützen und Frauen gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktschlichtung und den Wiederaufbau mit einzubeziehen. Doch der Beschluss alleine reicht nicht: Die Friedenstruppen der Vereinten Nationen sollten stärker in Ausbildung und Auftrag auf die Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Frauen in Kriegen ausgerichtet werden. Außerdem müssen alle Projekte der Entwicklungszusammenarbeit analysiert werden, ob sie Frauen genug einbeziehen.

„Deswegen braucht es eine Bayernweite Koordinierungsstelle gegen Gewalt an Frauen, die alle Frauen einschließt. Auch jene, die als traumatisierte Flüchtlinge zu uns kommen,“ so Stamm. „Außerdem müssen wir die Männer gewinnen. Wer zu Gewalt neigt oder schon geschlagen hat, muss seine Aggressionen in den Griff bekommen. Dafür gibt es bereits erfolgreiche Programme. Diese müssen wir noch ausbauen,“ ist Kekeritz überzeugt.