Erste Schritte gegen ausbeuterische Kinderarbeit?


14.07.2010
Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung eine erste richtungweisende Entscheidung zur Verhinderung gegen ausbeuterische Kinderarbeit getroffen.

Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung eine erste richtungweisende Entscheidung zur Verhinderung gegen ausbeuterische Kinderarbeit getroffen. Jetzt müssen im Parlament, in den Ministerien und bei zivilgesellschaftlichen Organisationen unmittelbar weitere Initiativen folgen, um den gemeinsamen Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit voranzubringen.

Im Bundesrat wurde kontrovers diskutiert, ob eine Verhinderung des Marktzuganges von Produkten aus Kinderarbeit zielführend sei. Die Familien bräuchten den Lohn ihrer Kinder, um überleben zu können. Den Familien müsse zunächst eine ausreichende Verdienstmöglichkeiten oder ein Sozialsystem zur Verfügung stehen.

Diese Fragestellung geht jedoch am Ziel vorbei. Es geht nicht darum, ob Kinder in einer ihrer Entwicklung unschädlichen Art in der Familie oder in einem Betrieb mitarbeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) schätzt, dass weltweit immer noch 165 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren unter ausbeuterischen und sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen, die ihre physische und psychische Entwicklung in erheblichem Maße beeinträchtigen. Eine angemessene Schulbildung ist für diese Kinder nicht möglich. Der Elendskreislauf der betroffenen Familien wird zementiert.

Die Forderung nach ausreichend vergüteten Verdienstmöglichkeiten und eines funktionierenden Sozialsystems ist zu begrüßen. Es wäre jedoch zynisch, die kindliche Entwicklung alternativ zum Sozialsystem zu diskutieren. Ein Sozialsystem kann sich nur entwickeln, wenn ausbeuterische Kinderarbeit unterbunden wird. Die Verwirklichung des Menschenrechts auf eine angemessene kindliche Entwicklung ist integraler Bestandteil jeden Sozialsystems.

Der Beschluss des Bundesrates ist ein erster und wichtiger Schritt und muss deshalb von der Bundesregierung aufgegriffen werden. Sie muss ihre Anstrengungen gegen ausbeuterische Kinderarbeit intensivieren und diesen Beschluss als einen Startschuss verstehen. Das gemeinsame Ziel der Vereinten Nationen, ausbeuterische Kinderarbeit bis 2016 zu eliminieren, darf nicht verfehlt werden.

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