Doppelt ungerecht: Corona verstärkt soziale Ungleichheit weltweit


25.01.2021
Zum Oxfam-Bericht „The Inequality Virus“ erklären Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik und Katharina Dröge, Sprecherin für Wirtschaftspolitik:

Die Oxfam-Studie macht auf erschreckende Weise deutlich: Die soziale Ungleichheit nimmt weltweit weiter rasant zu. Und das erstmals in fast allen Ländern gleichzeitig. Die Corona-Pandemie wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Während die Superreichen ihr Wohlstandsniveau rasch wieder herstellen konnten und viele von ihnen gar von der Krise profitieren, werden die Ärmsten wohl mindestens zehn Jahre brauchen, um die Pandemie-bedingten Verluste wieder auszugleichen.

Grund für diese Schieflage ist auch ein ungerechtes Wirtschaftssystem, in dem Gewinne weiterhin viel zu ungleich verteilt werden. Leittragende sind vor allem Frauen und die Menschen im Globalen Süden. Durch eine globale Strukturpolitik müssen deshalb eine gerechte Handels- und Investitionspolitik vorangetrieben und die Ausbeutung in den Lieferketten beendet werden. Bundeswirtschaftsminister Altmaier verhindert mit seiner Blockade des Lieferkettengesetzes einen wichtigen Schritt für mehr Gerechtigkeit in der  Lieferkette. Handelsdeals wie das EU-Mercosur-Abkommen, das die Bundesregierung immer noch unterstützt, nehmen die Zerstörung von Lebensräumen für Konzerninteressen billigend in Kauf. Die Bedingung für eine faire Handelspolitik muss sein, dass Menschenrechte, Arbeitsstandards, Umwelt- und Klimaschutz nicht beeinträchtigt werden. Zudem braucht es endlich ein geordnetes Staateninsolvenzverfahren. Denn ohne Schuldenschnitte wird die dramatische Verschuldungskrise im Globalen Süden nicht zu lösen sein.

Allen Beteiligten muss klar sein: Bei sozialer Ungleichheit handelt es sich nicht um ein theoretisches Problem. Die ungerechte Wohlstandsverteilung führt dazu, dass weite Teile der Bevölkerung von politischer Teilhabe ausgeschlossen werden. In Zeiten von Covid 19 stehen viele Menschen, die ohnehin gerade so über ein Einkommen am Existenzminimum verfügen, am Abgrund. Vor allem im Globalen Süden führt dies zur Destabilisierung der gesellschaftlichen Strukturen und löst Konflikte aus. Umso wichtiger ist die Organisation und Koordination einer globalen Covid 19-Bekämpfung statt nationalstaatlichem Denken. Eine deutlich gesteigerte Impfstoffproduktion, gerechte Verteilung und Unterstützung der Gesundheitssysteme vor Ort sind notwendig, damit Menschen im Globalen Süden nicht noch viele Jahre unter dem Virus und seinen Folgen leiden.