Den steigenden Hunger weltweit wirksamer bekämpfen


15.10.2019
Zum morgigen Welternährungstag erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

Es ist ein Armutszeugnis, dass seit drei Jahren die Zahl der Hungernden immer weiter steigt. Jeder neunte Mensch hungert. Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Mangelernährung. Diese schockierenden Statistiken können nur annähernd darstellen, was tagtäglicher Hunger für die Betroffenen bedeutet. Dabei sind Hunger und Mangelernährung keineswegs Schicksal, sondern Resultat politischen Versagens.

Die Bundesregierung setzt zur Hungerbekämpfung im Globalen Süden überwiegend auf Produktivitätssteigerung und Anbindung an den Weltmarkt statt eine selbstbestimmte Ernährungsversorgung zu unterstützen. Dies geht an den Bedürfnissen der kleinbäuerlichen Bevölkerung und unserer Verantwortung angesichts der Klimakrise vorbei. Für einen nachhaltigen Kampf gegen den Hunger müssen stattdessen die Agrarökologie und die Kleinproduzentinnen und -produzenten im Globalen Süden ins Zentrum gerückt werden. In Kooperation mit ihnen kann die nachhaltige ländliche Entwicklung vorangetrieben, die lokal angepasste Landwirtschaft weiterentwickelt und so das Menschenrecht auf Nahrung verwirklicht werden.

Aber nicht nur in der Entwicklungspolitik müssen wir mehr tun: Die Klimakrise hat bereits jetzt massive negative Konsequenzen für die Produktion und den Zugang zu Nahrungsmitteln. Bewaffnete Konflikte zerstören landwirtschaftliche Strukturen, treiben Menschen in die Flucht und in die ständige Ernährungsunsicherheit. Die stark subventionierte und auf Export ausgerichtete europäische Landwirtschaft bedient sich billiger Importe aus dem Globalen Süden und zerstört dort gleichzeitig lokale Märkte. Ungerechte und entwicklungsschädliche Handelsbeziehungen zementieren dieses Machtgefüge im globalen Ernährungssystem.

Zur Transformation des globalen Ernährungssystems braucht es also eine grundlegend andere Politik in den Bereichen Landwirtschaft, Klima, Entwicklung, Handel und Frieden. Es müssen auf struktureller Ebene die Weichen für die Ernährungssouveränität aller gelegt sowie die gleichzeitige Einhaltung planetarer Grenzen sichergestellt werden.