Corona-Pandemie: Millionen zusätzliche Hungernde verhindern


07.07.2020
Zur Veröffentlichung des Jahresberichts der Welthungerhilfe erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

Der Bericht verdeutlicht die dramatische Lage der Hungernden weltweit. Hunderte Millionen Menschen sind durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen nun zusätzlich von Armut und Hunger bedroht. Bereits in den letzten Jahren haben Kriege und Klimawandel die Zahl der Hungernden nach oben getrieben. Auch die Heuschreckenplage – insbesondere in Ostafrika – verschärft die Situation vor Ort.

Deshalb müssen einerseits jetzt akut zusätzliche neue Mittel bereitgestellt werden. Die von der Bundesregierung im Nachtragshaushalt eingestellten Mittel sind ein erster richtiger Schritt. Die Corona-bedingte deutsche und europäische Umschichtung von Haushaltsmitteln ist dagegen kurzsichtig. Laufende Maßnahmen zugunsten neuer Programme abzusetzen ist ein Nullsummenspiel. Gleichzeitig muss den sinkenden Spendeneinnahmen der zivilgesellschaftlichen Organisationen Rechnung getragen werden. Gerade im Kampf gegen den Hunger leisten die zivilen und kirchlichen Träger einen wichtigen Beitrag. Hier braucht es eine Reduzierung des Eigenanteils und einen flexiblen Fördermitteleinsatz.

Andererseits ist Hunger ebenso das Ergebnis politischen Versagens. Auch die Bundesregierung trägt mit ihrer unsäglichen Rüstungsexportpolitik und ambitionslosen Klimapolitik zur krisenhaften Situation bei. Die europäische Agrarpolitik konterkariert die Ernährungssouveränität im Globalen Süden. Es braucht ein radikales Umdenken und Handeln in allen Politikbereichen. Politikkohärenz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung muss endlich verbindlich sein. Ohne Kohärenz auf allen Ebenen kann der Kampf gegen Hunger nicht gewonnen werden.