Andere Agrarpolitik für echten Urwaldschutz


24.02.2010
Mit der Diskussion über die Nürnberg Parkbänke rückt das Thema Urwaldschutz erfreulicher Weise wieder ins Zentrum der öffentlichen Debatte.

Mit der Diskussion über die Nürnberg Parkbänke rückt das Thema Urwaldschutz erfreulicher Weise wieder ins Zentrum der öffentlichen Debatte. Die zentralen Weichenstellungen für denErhalt der tropischen Regenwälder müssen aber in Berlin getroffen werden.

Trotz der Selbstverpflichtung der Kommunen seit den 1980er-Jahren ist auch heute noch illegalgeschlagenes Tropenholz in Deutschland erhältlich. Die Grüne Bundestagsfraktion fordertdaher seit Jahren ein Urwaldschutzgesetz, um die Einfuhr von illegalem Holz nachDeutschland zu unterbinden. Dieses wurde zuletzt von der Großen Koalition mit den Stimmender FDP abgelehnt.

Ein Großteil der Urwaldzerstörung geht auf das Konto landwirtschaftlicher Nutzung. DieWälder im Amazonasbecken sind vor allem durch Sojaanbau für die Europäische Fleischproduktiongefährdet.

„Solange die CSU-Bundeslandwirtschaftsministerin an den EU-Exportsubventionen festhält,produzieren wir auf Kosten des Urwaldes Milchüberschüsse, mit denen dann die Landwirtschaftin den Entwicklungsländern platt gemacht wird“, meint der Entwicklungspolitikerund Grüne Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz. „Wenn es die CSU-Stadtratsfraktion beimUrwaldschutz ernst meint, dann müsste sie auch offen die Agrarpolitik ihrer Bundestagsabgeordnetenkritisieren“, fordert Kekeritz weiter.

Derzeit gehen bis zu 25 Prozent der weltweiten CO2-Emission auf das Konto der Urwaldzerstörung. Die Entwicklungsländer fordern daher zurecht einen finanziellen Ausgleich für denUrwaldschutz.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist aber daran gescheitert, dass die Industrieländer nichtbereit waren Zusagen in diese Richtung zu machen. Vielmehr plant die Bundesregierung derzeit,den ohnehin unterfinanzierten Entwicklungshaushalt für Klimaschutzmaßnahmen zuplündern.

„Klimaschutz darf aber nicht gegen Entwicklungszusammenarbeit ausgespielt werden. Wirmüssen zusätzliche Mittel für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländernbereitstellt“, ist Kekeritz überzeugt.Darüber hinaus gibt der Vorsitzende der Mittelfränkischen Grünen und Diplom-Fortingenieur, Markus Ganserer zu bedenken: „Ich bin zwar selbst ein Befürworter des „Holzder Kurzen Wege“. Dennoch gebe ich allen Beteiligten zu bedenken, dass bei dieser Debattedas FSC-Siegel nicht pauschal in Misskredit gebracht werden darf.“

In korrupten Ländern wie im Kongo mögen Zweifel an der Glaubwürdigkeit angebracht sein. In der europäischen Forstwirtschaft ist FSC ohne Zweifel der Garant für ökologische Standards.Nicht ohne Grund sträuben sich bislang selbst die Staatsforstbetriebe wie in Hessenund Bayern dagegen, sich von FSC zertifizieren zu lassen. Ganserer appelliert deshalb bei derAusschreibung für die Nürnberger Parkbänke auch bei heimischen Holz auf FSC zu setzen.