Kleine Anfrage: Finanzielle Förderung von Sportgroßveranstaltungen durch Gelder der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und deren Wirkungen


11.07.2018
Sportgroßereignisse wie Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaften begeistern trotz aller Kritik an Veranstalterorganisationen und Austragungsländern weltweit Millionen von Menschen. Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Uwe Kekeritz befragen die Bundesregierung zu den entwicklungspolitischen Auswirkungen.

Im Juni und Juli dieses Jahres blickt die Sportwelt nach Russland und die dort stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft (WM) der Männer. Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) hat Sportgroßveranstaltungen etwa in Brasilien und Südafrika mit verschiedenen Projekten unterstützt, um beispielsweise den Ausbau der Infrastruktur an den Austragungsorten zu fördern oder den negativen Effekt der Sportereignisse auf das Weltklima zu minimieren. Nach vier bzw. acht Jahren ist es Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen und die Verwendung und Wirkung der EZ-Mittel im direkten und indirekten Umfeld der Sportereignisse zu überprüfen.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Südafrika 2010 hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 50 Mio. Euro an zinsverbilligten Krediten für Investitionsprogramme zur Verfügung gestellt. In Johannesburg unterstützte die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH den Aufbau eines Bus-Rapid-Transit-Systems (BRT), um unter anderem sicherzustellen, dass Fußballfans die beiden Fußballstadien der Stadt „komfortabel, schnell und sicher“ (GIZ) erreichen konnten. Darüber hinaus sollten südafrikanische Gemeinden von den Erfahrungen deutscher Austragungsorte, an denen Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stattfanden, profitieren. Das „Host-City“-Austauschprojekt zwischen den Städten förderte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit Geldern in Höhe von 6,6 Mio. Euro.

Brasilien hat binnen zwei Jahren drei der weltweit größten Sportereignisse veranstaltet: die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2014 sowie die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro 2016. Die Infrastruktur dieser Sportveranstaltungen wurden wiederum durch Mittel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Beispielsweise hat die KfW im Vorfeld der WM 2014 im Rahmen des Projekts „Solar-WM 2014 Minas Gerais“ einen zinsverbilligten Kredit in Höhe von 10 Mio. Euro vergeben, mit dessen Hilfe auf dem Dach des WM-Stadions „Mineirão“ in Bela Horizonte eine Photovoltaik-Anlage installiert wurde. Außerdem wurden von der GIZ für weitere Stadien Machbarkeitsstudien für die Installation von Solaranlagen durchgeführt. Des Weiteren stellte die KfW unter Beteiligung des BMZ 90 Mio. Euro an zinsverbilligten Krediten an die staatliche brasilianische Entwicklungsbank BNDES bereit, um den Aufbau von Solaranlagen an weiteren Stadien sowie weiteren Gebäuden in der Nähe der Spielorte zu befördern. Im Zuge der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro 2016 hat die brasilianische Metropole mit der VLT Carioca den Bau eines neuen Straßenbahnnetzes angestrengt. Dieses Bauprojekt wurde ebenfalls von der KfW mit einem zinsverbilligten Kredit in Höhe von 133 Mio. Euro gefördert.

Viele der Projekte zogen Kritik auf sich. Unter anderem wurde in Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Südafrika mit dem Gautrain ein Bahnprojekt umgesetzt, das aufgrund der Streckenführung, die an großen Townships vorbeiführt, nicht den Individualverkehr im angestrebten Maße reduziert und angesichts der hohen Ticketpreise nur einem kleinen Kreis der südafrikanischen Bevölkerung zugute kommt. Die Sportgroßveranstaltungen in Brasilien wurden im Vorhinein als nachhaltige Turniere und Spiele angepriesen. Verheerende Klimabilanzen, Zwangsumsiedlungen und fehlende Nachnutzungskonzepte für die Fußball-Stadien erzeugen im Nachhinein ein anderes Bild. So kritisierte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller ebenfalls gegenüber der Zeitung „DIE WELT“ am 6. April 2014 den Stadionbau im brasilianischen Manaus als „unverantwortlich“. Der Bau der Straßenbahn in Rio de Janeiro 2016 wurde von lokalen Aktivistinnen und Aktivisten für die Umsiedlung von 200 Familien und die Zusammenarbeit mit den in Korruptionsskandale involvierten brasilianischen Baukonzerne Odebrecht, OAS, Camargo Correa SA sowie Andrade Gutierrez SA getadelt.



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