Fairness fängt bei uns an


16.07.2019
„Auch Deutschland ist Entwicklungsland. Beim Klima- und Artenschutz oder der sozialen Gerechtigkeit müssen wir deutlich mehr tun. Abgesehen davon beeinflusst unsere Lebensweise die Lebensverhältnisse der Menschen im globalen Süden. Dafür tragen wir Verantwortung. Fairness fängt also bei uns an“, ist Uwe Kekeritz überzeugt.

Auf seine Einladung waren Anfang Juli über 40 politisch Interessierte aus Mittel-, Ober- und Unterfranken sowie aus der Oberpfalz und aus Schwaben zu einer Bildungsreise nach Berlin gekommen. Auf dem Programm standen neben der Diskussion mit Uwe Kekeritz Treffen mit NGOs, der Besuch des Bundestages und des Entwicklungsministeriums.

In der Diskussion verwies Kekeritz auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen, die alle Länder, weltweit in die Pflicht nehmen, ihren Beitrag für eine positive Entwicklung zu leisten. „Zum Beispiel könnten wir weltweit positive Veränderungen anstoßen, wenn wir endlich Unternehmen zur Einhaltung ökologischer, sozialer und menschenrechtlicher Mindeststandards in ihren Lieferketten gesetzlich verpflichten“, fordert Kekeritz.

Weiter führte Uwe Kekeritz aus, dass wir in Deutschland und Europa unter anderem eine ökologische Agrarwende, wirksamen Klimaschutz und eine faire, partnerschaftliche Handelspolitik brauchen, um einen entscheidenden Beitrag zum Erreichen der SDGs zu leisten.

Auch Julia Otten von Germanwatch lenkte in ihrem Vortrag den Blick auf die Verantwortung von Unternehmen für ihre globalen Lieferketten. So macht sie einen EU-weiten Trend zu verbindlichen Regeln für Unternehmen und eine gestiegene Aufmerksamkeit für das Thema auch von Seiten der Unternehmen aus.

Die Fabrikkatastrophen von Rana Plaza oder Ali Enterprises zeigten beispielhaft die eklatanten Missstände in den Produktionsländern. Daher bedarf es gesetzlich verbindlicher Berichtspflichten, Beschwerdemechanismen und Sanktionsmöglichkeiten, um ökologische, soziale und menschenrechtliche Mindeststandards durchzusetzen.

Doch Deutschland hinkt leider noch hinterher. So ist das vielzitierte Textilbündnis von Entwicklungsminister Müller unterambitioniert, da es alleine auf Freiwilligkeit setzt. Auch im Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) viel zu schwache Ziele, was auch der Sozialausschuss der UN bereits gerügt hat.

Dass ökologische, soziale und menschenrechtliche Kriterien bei der Herstellung von Kleidung, Computern und anderem eine größere Rolle spielen, dafür können auch Bund, Länder und Kommunen etwas tun, indem sie diese Kriterien bei ihrem Einkauf berücksichtigen, erläuterte Rosa Grabe von Femnet.

Leider tut der Bund hier noch viel zu wenig, wie die Antwort auf eine Große Anfrage von Uwe Kekeritz ergeben hat. Ungeachtet dessen haben sich schon etliche Kommunen auf den Weg gemacht. Gute Voraussetzungen dafür bietet das neue Vergaberecht, das es erlaubt ökologische, soziale und menschenrechtliche Kriterien im Beschaffungsprozess anzuwenden.

Dafür gibt es sowohl von staatlicher Seite als auch von der Zivilgesellschaft gute Beratungsangebote für Kommunen. So bietet zum Beispiel der „Kompass Nachhaltigkeit“ wertvolle Hilfe, um ökologische, soziale und menschenrechtliche Kriterien in den Vergabeprozess zu integrieren. Und das Beste: Der Markt reagiert und so gehen immer mehr, besonders kleine Unternehmen voran und richten ihr Angebot an den Nachhaltigkeitskriterien aus.