Yasuní-Biosphärenreservat ist noch zu retten!


11.06.2014
Am vergangenen Freitag besuchte eine Gruppe junger Yasuní-Aktivisten die Fraktion der Grünen im deutschen Bundestag. Die gute Nachricht: der Yasuní-Nationalpark in Ecuador ist noch zu retten. Die schlechte Nachricht: die Zeit drängt.

Sieben Jahre nach der Bekanntgabe der Yasuní-Initiative (ITT) gibt es immer noch Hoffnung, dass die Ölbohrungen im Biosphärereservat verhindert werden können. Grund dafür ist ein beispielloses zivilgesellschaftliches Engagement zur Rettung des Regenwaldes.

Zwar erteilte das Umweltministerium Ecuadors der staatliche Ölgesellschaft Petroamazonas bereits eine Lizenz, die die Ölförderung im Yasuní-Nationalpark erlaubt, allerdings kämpft das Bündnis YASunidos für die Durchführung einer Volksabstimmung, um die Bohrungen zu verhindern. Inzwischen geht es um weit mehr als den gefährdeten Nationalpark. Die Regierung verweigert der Bevölkerung ihre verfassungsmäßigen Partizipations- und Menschenrechte und will gegen den Willen der Bevölkerung Ölbohrungen im Nationalpark erlauben.

Laut der aktuellen Umfragen würden sich 72% der Ecuadorianer gegen die Ölförderung im Bioreservat aussprechen. Trotz staatlicher Repressionen und Diffamierungen gegen die YASunidos konnten diese weit mehr Unterschriften als die für eine Volksabstimmung notwendigen fünf Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung (584.000) sammel.Dennoch erklärte der nationale Wahlrat CNE (Consejo Nacional Electoral) die Unterschriftenkampagne zur Aufforderung eines Volksbegehrens als gescheitert.

Trotzdem kämpfen die YASunidos weiter dafür, dass das Referendum doch noch stattfinden kann. Außerdem setzen sie sich dafür ein, dass die Weltöffentlichkeit von der Situation vor Ort erfährt und sich z.B. durch Petitionsunterschrift mit der Initiative solidarisieren kann.

Uwe Kekeritz lobt das Engagement der Aktivisten: „Was die YASunidos leisten ist enorm. Die Correa-Regierung tritt die Demokratie mit Füßen und will eines der wichtigsten Ökosysteme auf dem Altar der privaten Profite opfern. Deutschland hat durch das unsägliche Verhalten des ehemaligen Entwicklungsministers Niebel, der die Unterstützung der Yasuní-ITT-Initiative verwehrte, eine Teilschuld an der Misere. Die Bundesregierung muss sich daher sowohl für die Wahrung demokratischer Freiheiten in Ecuador, als auch für die Erhaltung des Yasuní-Nationalparks einsetzen.“

Hintergrund

Im Rahmen der Yasuní-ITT-Initiative sollten die internationale Geldgeber Ecuador für die Nichtförderung von Erdöl im Nationalpark Yasuní entschädigen.
Ecuadors Präsident Rafael Correa machte das Vorhaben auf der UN-Vollversammlung 2007 der Weltöffentlichkeit bekannt und schlug vor, auf die Förderung von geschätzten 850 Millionen Barrel Erdöl – welche 20 Prozent der gesamten Ölvorräte Ecuadors ausmachen –zu verzichten. Als Gegenleistung sollten insbesondere die Industrieländer die Hälfte des erwarteten Erlöses, insgesamt 3,5 Milliarden Euro, in einen UNO-Treuhandfonds Kompensationszahlungen leisten. Deutschland hätte mit lediglich 34,5 Millionen Euro sich an der Initiative beteiligen sollen.

Warum ist Rettung des Yasuní wichtig?

Das Öl aus dem Yasuní-Park würde den globalen Ölkonsum gerade einmal für neun Tage decken. Das Ökosystem ist dort so fragil, dass die Ölförderung eine nicht hinnehmbare Existenzgefahr für das Nationalpark darstellt. Auf der Fläche von einem Hektar wurden im Yasuní-Bioreservat 640 Baum- und Buscharten identifiziert – so viele wie in Kanada und USA zusammen. Viele Pflanzen- und Tierarten sind an keiner anderen Stelle der Welt zu finden. In den Wäldern des Nationalparks leben außerdem die letzten indigenen Gemeinschaften Ecuadors, deren Wunsch auf freiwillige Isolation auch respektiert und geschützt werden soll. Außerdem hat die erfolgreiche Unterschriftenkampagne einen Willen der Ecuadorianer gezeigt, ihre Bürgerrechte wahrnehmen zu wollen. Mit der Annullierung der Unterschriften wurden somit die demokratischen Bürgerrechte in Ecuador verworfen.



Weiterführende Links:


www.yasunidos.org
www.yasunidosinternacional.org