WHO bestätigt Innovationsstau bei Antibiotika


20.09.2017
Der heute vorgestellte WHO-Bericht unterstreicht den Innovationsstau bei der Entwicklung neuer Antibiotika. Uwe Kekeritz fordert die Einrichtung eines globalen Forschungsfonds und die Belohnung neuer Medikamentenentwicklung jenseits bestehender Patenanreize

Der WHO-Bericht macht deutlich: Im Einsatz gegen multiresistente Erreger herrscht dringender Handlungsbedarf. Immer mehr Menschen sterben an Keimen, die sich mit herkömmlichen Antibiotika nicht behandeln lassen. Vorallem Menschen in Entwicklungsländern fehlt der Zugang zu wirksamen und bezahlbaren Medikamenten. Trotz des wachsenden Bedarfs werden zu wenige neue, bezahlbare und innovative Wirkstoffe entwickelt. Besonders deutlich wird das bei der Bekämpfung multiresistenter Tuberkulose: Nur ein Bruchteil der infizierten Menschen erhalten derzeit die lebensrettende Therapie, die sie dringend benötigen.

Uwe Kekeritz: „Um Innovationen zu fördern reicht es nicht aus, sich auf die herkömmlichen Patentanreize zu beschränken.  Mithilfe eines solidarisch finanzierten globalen Forschungsfonds könnte die Entwicklung neuer wirksamer Therapien gefördert werden.“ Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen hat hierzu im Rahmen eines Antrag konkrete Lösungsvorschläge formuliert: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/123/1812383.pdf.

Nur mit neuen Forschungsanreizen kann es gelingen, innovative und wirksame Antibiotika zu entwickeln. Dabei muss sichergestellt werden, dass lebensrettende Wirkstoffe auch Menschen in Entwicklungsländern überall zur Verfügung stehen. Neue Medikamente müssen überall bezahlbar sein, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Versicherungsstatus.

Neben dem Ausbau neuer Forschungsanreize muss der Antibiotika-Einsatz in der industriellen Tiermast zurückgefahren werden. Massentierhaltung und schwache hygienische Standards befeuern die Verbreitung multiresistenter Keime.



Weiterführende Links:


Antrag: Marktversagen beenden, Innovationen fördern – Globaler Forschungsfonds für bessere Gesundheit weltweit
WHO-Bericht: „The world is running out of antibiotics, WHO report confirms“