Warum brauchen wir Fairtrade-Towns?


15.02.2013
„Als VerbraucherInnen machen wir Politik mit dem Einkaufswagen und entscheiden täglich, welche Produkte wir unterstützen wollen und welche nicht“, so der grüne Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz. Bei den Grünen im Berchtesgadener Land stellte er Fairtrade-Projekte vor.

„Entwicklungspolitik ist immer noch gewinnorientierte Industriepolitik“
„Obwohl seit 1962 Billionen von Euro an Entwicklungsländer geflossen sind, hat sich nichts Grundlegendes  verbessert“, kritisierte Uwe Kekeritz. Hauptgrund dafür: „Entwicklungspolitik ist immer noch gewinnorientierte Industriepolitik“. Der Korruption sei dabei Tür und Tor geöffnet. Ausbeutung von Arbeitskräften und Kinderarbeit gehörten nach wie vor zur tragischen Realität.
Unsere Systeme und unsere Wirtschaftslogik könne unter den ökonomischen und sozialen Bedingungen in den Entwicklungsländern nicht oder nur bedingt übertragen werden. „In den Anfangszeiten der Entwicklungshilfe gab es kein Empfängerland, das sich nicht selbst ernähren konnte.  Heute sind dies nur noch 48 Nationen“, stellte Uwe Kekeritz die Sinnhaftigkeit der lange Zeit praktizierten Entwicklungspolitik in Frage.

Meilenstein Milleniumserklärung

Ein Meilenstein ist für Kekeritz die Millenniumserklärung, die am 9. September 2000 von 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen unterzeichnet wurde. Erstmals konnten sich hier arme und reiche Länder auf die gemeinsamen Ziele „Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Umweltschutz“ einigen.
Zunehmende Globalisierung und weltweiter Handel unter neoliberalen Prämissen  hätten diese guten Ansätze aber teilweise konterkariert. So hätten viele Unternehmen ihre Produktion in Billiglohn-Länder ausgelagert. „Die Arbeitsbedingungen dort sind oft menschenunwürdig und das Einkommen reicht kaum zum Überleben“, so Kekeritz, der sich auf seinen Reisen selbst immer wieder ein Bild von der Situation vor Ort macht.

Fair Trade kann helfen

„Welchen Beitrag können wir als Einzelne, aber auch als  Gesellschaft leisten, um die Not der Menschen in den Entwicklungsländern zu lindern und ihre Situation zu verbessern?“, fragte Uwe Kekeritz. Fairtrade, das heißt gerechter Handel helfe Bäuerinnen und Bauern  in Afrika, Lateinamerika und Asien, ihre Dörfer und Familien aus eigener Kraft zu stärken, und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.
War der faire Handel in den Anfängen vor allem auf Kaffee, Bananen oder Kunsthandwerk beschränkt, so können die KonsumentInnen in Deutschland heute aus rund 1.000 fairtrade-gesiegelten Produkten wählen. Diese sind bundesweit in 30.000 Geschäften und Läden, sowie in über 15.000 gastronomischen Betrieben erhältlich. Die Fairtrade-Idee sei inzwischen bei breiten Bevölkerungsschichten angekommen: „Allein im Jahr 2011 haben die VerbraucherInnen in Deutschland 477 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben. Hiervon können rund 500 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern profitieren“. Bei Zuwachsraten von jährlich rund 16 Prozent verlasse Fair Trade langsam sein Nischendasein, blickte der Referent optimistisch in die Zukunft, wies aber auch auf Marktlücken hin: „Im Textilbereich besteht noch erheblicher Aufholbedarf.“

Fairtrade-Town

Nicht nur der/die einzelne KonsumentIn, sondern auch die öffentliche Hand könne einen großen Beitrag zum fairen Handel leisten: „Die Kommunen in Deutschland kaufen jährlich für etwa 180 Milliarden Euro ein. Dabei spielen ökologische und soziale Aspekte leider noch kaum eine Rolle.“ Seit 2009 können sich auch in Deutschland Städte, Gemeinden und Landkreise um den Titel „Fairtrade-Town“ bewerben.
„Über 130 Fairtrade-Towns gibt es mittlerweile in Deutschland, darunter Großstädte wie München oder Nürnberg aber auch kleinere Städte und Gemeinden aus meinem Wahlkreis wie Langenzenn und Roßtal“, so Uwe Kekeritz.
Zum Schluss seiner Ausführungen wies der Referent auf die enge Verknüpfung von fairem Handel und regionaler Vermarktung hin: „Neben der Qualität, die wir mit den heimischen Lebensmitteln einkaufen, erhalten und stärken wir auch regionale Strukturen und unsere biologische Landwirtschaft.“