Uwe Kekeritz ruft den Präsidenten Kameruns zum Ende der Gewalt auf


18.09.2017
In Kamerun heizt die Regierung den Konflikt zwischen dem englischsprachigen und dem französischsprachigen Landesteilen an. Immer wieder gibt es Tote. Hunderte Aktivist*innen sitzen im Gefängnis. Im Land wächst die Sorge vor einem Bürgerkrieg. Uwe Kekeritz fordert in einem Brief an Präsident Biya und den Botschafter Kameruns in Deutschland die Regierung auf, die Gewalt zu beenden und den verhafteten Aktivist*innen rechtstaatliche Verfahren zu ermöglichen oder sie unverzüglich freizulassen.

Seit Ende 2016 fühlen sich die Menschen im englischsprachigen Teil des Landes diskriminiert und unterdrückt. Angefangen hatte alles damit, dass die Regierung vermehrt französischsprachige Professor*innen, Lehrer*innen und Richter*innen in den Westen des Landes entsandte. In den westlichen Provinzen wird historisch bedingt Englisch gesprochen. Die Rechts- und Bildungssysteme sind an das Commonwealth angelehnt und weisen frappierende Unterschiede zu den im Osten des Landes etablierten Strukturen auf. Die französischsprechenden Beamten konnten diesen Gegebenheiten nicht Rechnung tragen. Der anglophonen Bevölkerung blieben daraufhin Schul- noch Universbildung vorenthalten. Auch die Rechtsprechung blieb den Betroffenen aufgrund der Sprachbarriere verwehrt.

Friedliche Demonstrationen gegen diese Missstände wurden von der Regierung gewaltsam niedergeschlagen. Inzwischen kam es zu Toten und Verletzten. In den englisch sprachigen Provinzen reagieren die Menschen einmal pro Woche mit einem Generalstreik, der das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen bringt. Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft und sorgen dafür, dass bei öffentlichen Protesten zahlreiche Aktivist*innen in den unsäglichen Gefängnissen landen. Die Regierung sperrte in der Region den Internetzugang. Die Lage im Land bleibt explosiv.

Uwe Kekeritz, der in den Achtziger Jahren selbst in Kamerun lebte, zeigt sich über diese Entwicklung besorgt: „Präsident Paul Biya möchte die rohstoffreichen Provinzen wesentlich stärker unter Kontrolle nehmen. Hierzu versucht er mit gesellschaftlich verändernden Maßnahmen im Ausbildungs- und Rechtsbereich, den Einfluss der französischsprachigen Oligarchie zu stärken. Da Paul Biya, seit beinahe 35 Jahren außer Stande war, der Bevölkerung eine Perspektive auf ein besseres Leben zu geben, formiert sich massiver Widerstand. Jetzt droht die offene Rebellion mit unbekanntem Ausgang“.

Dem Auswärtigen Amt (AA) sind die Zustände vor Ort durchaus bekannt. Allerdings sieht das AA bislang davon ab, mit der Regierung in einen konstruktiven Dialog zu treten. Vor diesem Hintergrund schrieb Uwe Kekeritz einen Brief an Präsident Biya und den Botschafter Kameruns in Deutschland, in dem er die Regierung auffordert, die Gewalt zu beenden und den verhafteten Aktivist*innen rechtstaatliche Verfahren zu ermöglichen oder sie unverzüglich freizulassen.

„Die Menschen in Kamerun haben Jahrzehnte lang friedlich zusammengelebt. Sie wollen diese Gewalt nicht. Die Scharfmacher der Regierung und die der radikalen Opposition in den englischsprachigen Provinzen müssen unverzüglich aufhören, Unruhe zu stiften. Kamerun steht ohnehin vor enormen Herausforderungen. Zu der grassierenden Armut im Land kommt der Terrorismus Boko Harams sowie Fluchtbewegungen aus den Nachbarländern. Diese Herausforderungen können nur durch eine geeinte Gesellschaft und verantwortliche Politik gelöst werden.“