Uwe Kekeritz reicht OECD-Beschwerde gegen KiK, C&A und Karl Rieker ein


13.05.2013
Mit Beratung von Medico International und der Menschenrechtsorganisation „ECCHR“ reicht Uwe Kekeritz Beschwerde bei der Nationalen Kontaktstelle der OECD ein. Es geht um den Brand der Tazreen-Fabrik in Bangladesch im November 2012. Damals starben 112 Menschen. Der Tod von über 700 Menschen beim Einsturz einer Fabrik Ende April zeigt, dass noch immer viel zu wenig getan wurde um das Leben von ArbeiterInnen in Bangladesch zu schützen.

In der Tazreen-Fabrik in Bangladesch waren am 24. November 2012 mindestens 112 Menschen bei einem Feuer ums Leben gekommen. Besonders tragisch: trotz des Feueralarms wurden die NäherInnen gezwungen weiterzuarbeiten. Ein Todesurteil im Namen der Billigproduktion. Obwohl die erheblichen Sicherheitsmängel in der Fabrik bekannt waren ließen die deutschen Unternehmen C&A, KiK und Karl Rieker in dieser Fabrik produzieren. Die Beschwerde bei der Nationalen Kontaktstelle der OECD soll nun ein Vermittlungsverfahren anstoßen, das zu besseren Brandschutzmaßnahmen und zu angemessener Entschädigung der Opfer führen soll. Die Beschwerde entstand mit Beratung von Medico International und dem European Council for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und wurde bei der Nationalen Kontaktstelle (NKS) der OECD eingereicht.

„Das Verhalten der deutschen Unternehmen in Zusammenhang mit dem verheerenden Brand in der Tazreen-Fabrik ist ein Skandal“, so Kekeritz. „Die Firmen beuten die ArbeiterInnen ohne Rücksicht auf Menschenleben aus und denken mehr an ihre Quartalszahlen als an das Leid, das Sie anrichten. Es ist an der Zeit diesem Treiben ein Ende zu setzen“.

Deutsche Unternehmen sind dazu verpflichtet die Menschenrechte auch im Ausland zu achten. Um Verstöße gegen die Menschenrechte zu erfassen und zu ahnden wurden europaweit Nationale Kontaktstellen der OECD eingerichtet. Sie sollen unabhängig sein, die deutsche NKS ist jedoch im Wirtschaftsministerium im Bereich der Außenwirtschaftsförderung angesiedelt – Interessenskonflikte sind vorprogrammiert. Uwe Kekeritz hofft, dass die Nationale Kontaktstelle im Falle der Tazreen-Katastrophe als fairer Vermittler agiert: „Leider haben viele Nichtregierungsorganisationen schlechte Erfahrungen mit der Nationale Kontaktstelle machen müssen.  Sie war häufig kein fairer Makler sondern ist Weltmeister im destruktiven Umgang mit Beschwerden. Die Beschwerde gegen C&A, KiK und Karl Rieker ist somit auch ein Gradmesser für die Unabhängigkeit der deutschen NKS.“

Wie wichtig das Thema Arbeitssicherheit in der globalen Lieferkette ist, zeigt auch der Einsturz einer weiteren Textilfabrik in Bangladesch vor Ende April. Trotz eindeutiger Warnungen wurden die NäherInnen gezwungen weiter zu arbeiten. Alle 15 Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit. Das sind 6.300 täglich und mehr als 2,3 Millionen pro Jahr. Millionen Menschen arbeiten weltweit unter schwierigsten Bedingungen. Egal ob Minenarbeiter im Kongo, Näherinnen in Süd-Ost-Asien oder Sojabauern in Brasilien. Sie alle haben gemeinsam, dass ihr Einkommen nicht ausreicht um ihre Familien zu ernähren und dass sie häufig unter lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten. Das Thema gute Arbeit muss ganz oben auf die internationale Agenda.

Besonders die Politik und die Unternehmen stehen hierbei in der Pflicht. Während sich die Bundesregierung weiter gegen gesetzliche Maßnahmen zur Unternehmensverantwortung sträubt, ist man in Europa schon einen Schritt weiter. Die EU einigte sich kürzlich auf Offenlegungspflichten für Unternehmen, die im Rohstoffsektor tätig sind. So soll Korruption und Ausbeutung in den Sektoren Öl, Gas und Holz sowie bei der Gewinnung von Edelmetallen eingeschränkt werden. Weitere Sektoren werden folgen. Dann muss die Bundesregierung auch bei der Textilbranche Farbe bekennen.

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