Uranabbau in Afrika – Interessanter Austausch mit Uranium-Network


19.02.2014
Woher kommt eigentlich das Uran, das in deutschen Atomkraftwerken zur Energiegewinnung eingesetzt wird? Und unter welchen Bedingungen wird es abgebaut?

In einem Gespräch mit Vertretern der NGO „Uranium Network“ ließ sich Uwe Kekeritz über die Auswirkungen des Uranbergbaus in Tansania und anderen afrikanischen Staaten informieren.

Statt in Australien oder Kanada Uran abzubauen, weichen viele Konzerne inzwischen nach Afrika aus, weil es dort weder ausreichende Standards noch wirkungsvolle Kontrollen gibt. Auch ein großer Teil des Urans, das in deutschen Atomkraftwerken zur Energiegewinnung verwendet wird, stammt vermutlich aus Afrika. Dort wird Uran unter Bedingungen abgebaut wird, die bei uns niemals genehmigungsfähig wären.

Seit Mitte des letzten Jahrzehnts treibt die tansanische Regierung den Einstieg in den Uranbergbau vehement voran. Bis jetzt wird noch nicht im großen Stil abgebaut, aber schon jetzt sind Folgen für die Bevölkerung spürbar und der massive Abbau z.B. im Niger gibt einen Ausblick auf mögliche Konsequenzen. Besonders viele Explorationsfirmen sind im Gebiet des als UNESCO Welterbe geschützten Selous Park aktiv. Der Abbau von Uran gefährdet dort ein Schutzgebiet, das auch von Deutschland in der Vergangenheit gefördert und aufgebaut wurde. Die Bevölkerung wurde über die Folgen des Abbaus kaum informiert und NGOs, die die Bevölkerung aufklären wollen, werden massiv in ihrer Arbeit behindert. Ein weiterer Schwerpunkt der Uranerkundung in Tansania ist die Region Bahi/Manyoni. Dieses Gebiet ist dicht besiedelt und Fischfang, bewässerter Reisanbau und traditionelle Salzgewinnung bilden das Rückgrat der regionalen Wirtschaft und Ernährungssicherung.

Uranabbau führt zur radioaktiven Kontaminierung von Grundwasservorkommen und Oberflächenwässern, Boden, Luft und zur gesundheitlichen Gefährdung von Menschen. Uranverarbeitung benötigt zudem große Mengen an Wasser und wird so gerade in wasserarmen Regionen zum direkten Konkurrenten für Mensch und Tier. Im Niger zapft der Konzern Areva, der auf dem Gebiet der Herstellung und des Verkaufs von Energieerzeugungsanlagen tätig ist (sein bei weitem größtes Geschäftsfeld ist dabei die Nukleartechnik) inzwischen fossile Wasservorkommen an, nachdem die Grundwasserquellen im Abbaugebiet schon trockengefallen sind. 70% der fossilen Wasservorkommen sind verbraucht – als „Ausgleich“ stellt Areva Trinkwasser für die Bevölkerung zur Verfügung. Die Erschließung neuer Abbaugebiete führt außerdem oft dazu, dass Menschen ihr Land abgeben müssen. Der Verlust von Land bedeutet für viele Kleinbauern den Verlust ihrer Existenzgrundlage.

Der Uranbergbau in Tansania, aber auch anderen afrikanischen Staaten, gefährdet international schützenswerte Naturgüter und die Lebensgrundlage vieler Menschen. Uranbergbau kann so kein Beitrag zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung sein.