Untragbar! Tote bei Protesten von TextilarbeiterInnen in Kambodscha


07.01.2014
In den vergangenen Tagen starben in Kambodscha mindestens drei Menschen bei Protesten für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Seit Wochen demonstrieren die NäherInnen für höhere Löhne. Die Regierung reagiert mit dem Einsatz von massiver Gewalt. Die Militärpolizei ging mit scharfer Munition sowie Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

Wie in Bangladesch und anderen asiatischen Ländern reicht den Menschen in der kambodschanischen Textilwirtschaft ihr Lohn nicht zum Leben. Mit rund 68 Euro liegt dieser weit unterhalb des so genannten Living Wages. Für mehr als 650.000 Menschen bedeutet dies ein Leben unterhalb des Existenzminimums. Die Gewerkschaften fordern daher eine Erhöhung des Mindestlohns auf 116 Euro. Die Regierung verweigert jedoch die Anhebung des Lohnniveaus.

Der Fall macht deutlich: die Produktionsbedingungen in Süd-Ost-Asien sind nach wie vor katastrophal. Die Armut der Bevölkerung ist hierbei ein Resultat der Ausbeutungsstrukturen westlicher Unternehmen und korrupter Regierungen. Diese Form der Gewinnmaximierung auf Kosten der Ärmsten der Armen muss ein Ende haben. Die Konzerne müssen hier zur Verantwortung gezogen werden, aber auch die VerbraucherInnen bewusster konsumieren. Die derzeitige Geiz-ist-Geil-Mentalität führt zur Verelendung ganzer Landstriche. Die Menschen müssen endlich erkennen, dass Kleidung ihren Preis hat!

Rund jedes zehnte T-Shirt weltweit ist inzwischen „Made in Cambodia“. Unter den Herstellern vor Ort sind unter anderem die bayerischen Vorzeigeunternehmen Adidas und Puma. Beide geloben Besserung – Veränderungen sind bislang jedoch nicht zu erkennen. Dabei könnten schon kleine Maßnahmen das Leben der Menschen massiv verbessern.

Wichtig ist, dass die Mindestarbeitsstandards, wie sie in den ILO-Kernarbeitsnormen festgelegt sind, eingehalten werden. Hierzu ist vor allem wichtig, dass die ArbeiterInnen vor Ort die Möglichkeit haben Gewerkschaften beizutreten und Betriebsräte zu bilden. So können sie dann selber Verhandlungen darüber führen wie ihre Arbeitsumstände verbessert werden können. Ferner müssen Unternehmen ihre Lieferkette offenlegen um zu beweisen, dass sie keine ausbeuterischen Strukturen unterstützen. Nur so können die VerbraucherInnen informierte Kaufentscheidungen treffen.

Seit den schrecklichen Brand- und Einsturkatastrophen in Bangladesch kommt es in Asien vermehrt zu Aufständen der TextilarbeiterInnen. Die vermeintlichen Einzelfälle entwickeln sich mehr und mehr zu einem Flächenbrand.