Über 1000 Tote in Textilfabrik in Bangladesch – und wieder ist KiK Auftraggeber


02.05.2013
Über 1000 Menschen, vor allem Näherinnen, sind beim Einsturz eines Gebäudes in Bangladesch getötet worden. In dem Gebäude wurden Textilien produziert, auch für KiK und die europäischen Handelsketten Primark (Großbritannien), Mango (Spanien) und Benetton (Italien.) Europa ist der wichtigste Handelspartner Bangladeschs, darum sind auch wir, die europäische Kommission, die Bundesregierung und europäische Konzerne in der Verantwortung – und wir haben großen Einfluss.

Die Ankündigung der EU-Kommission den Zugang für Textilien aus Bangladesch zu erschweren, wenn die bangladeschische Regierung die Arbeitsbedingungen und die völlig unzureichenden Sicherheitsstandars nicht wesentlich verbessert, ist zu begrüßen. Nun müssen der Ankündigung Taten folgen. Die Außenbeauftragte Cathrine Ashton und Handelskommissar de Gucht müssen der Regierung Bangladeschs klare Fristen setzen und klare Konsequenzen benennen, um den Druck zu erhöhen. Als wichtigster Handelspartner von Textilien hat Europa hier großen Einfluss.

Auch große Handelsketten und die Bundesregierung tragen Verantwortung

Auch der Druck auf die großen Handelsketten muss erhöht werden. Leider weigert sich die Regierung Merkel nach wie vor konkrete Schritte zu gehen. Wir fordern die verpflichtende Offenlegung von sozialen Standards in den Zulieferfirmen deutscher und europäischer Konzerne. Für den Rohstoffsektor hat dies das europäische Parlament jüngst gegen den expliziten Willen der Bundesregierung durchgesetzt. In den kommenden Jahren sollen weitere Branchen folgen. Angela Merkel und ihre zuständige Ministerin Ursula von der Leyen müssen ihre Blockadehaltung endlich aufgeben.

Die Versklavung von tausenden von Näherinnen und der Tod von über 1000 Näherinnen in den vergangenen Jahren liegen auch in der direkten Verantwortung deutscher und europäischer Konzerne. Im aktuellen Fall hatten die Handelsketten Primark (Großbritannien), Mango (Spanien) und Benetton (Italien) in den betroffenen Fabriken produzieren lassen. Wir verlangen von den Konzernen den Schutz der Menschen und gute Arbeitsbedingungen in den Vordergrund zu stellen und nicht etwa die Gewinnmarge, wie das bislang der Fall ist.

Wieder ist KiK Auftraggeber der Fabrik

Wie schon beim den Bränden in Pakistan und in Bangladesch 2012 steht auch bei diesem Unglück KiK im Zentrum der Kritik. Bezeichnend ist, dass sich KiK auch nach der Tragödie keinesfalls um Aufklärung bemühte, sondern viel mehr versuchte die eigene Beteiligung zu vertuschen. Dies gelang immerhin eine knappe Woche, dann wurden wieder KiK-Label in den Ruinen einer Fabrik gefunden, die zur Todesfalle für hunderte von Menschen wurde. Vor diesem Hintergrund wirkt Ihre Aussage von KiK es habe keine „DIREKTEN“ Geschäftsbeziehungen zur besagten Fabrik gegeben wie der blanke Hohn.

KiK hätte längst regaieren müssen. Laut AugenzeugInnenberichten und Aussagen der Opfer waren die Schäden am Gebäude der Textilfabrik nicht zu übersehen. Risse in den Wänden deuteten das Unglück bereits am Tag zuvor an. Dennoch wurden die NäherInnen gezwungen in dem besagten Gebäude weiterzuarbeiten. Der tragische Ausgang ist bekannt.

Einen Brief von Uwe Kekeritz an KiK finden Sie am Ende des Artikels.

Sieg über Adidas

Das der Druck wirken kann zeigt das Beispiel Adidas. Kurz vor der diesjährigen Hauptversammlung hat der Konzern dem Druck nachgeben und zahlt nun Entschädigung an ArbeiterInnen eines ehemaligen Zulieferbetriebs in Indonesien. Der Adidas-Zulieferbetrieb PT Kizone war 2011 geschlossen worden, 2800 ArbeiterInnen wurden damals arbeitslos. Gleichzeitig verweigerte Adidas die Zahlung einer Abfindung, die den ArbeiterInnen nach indonesischem Recht zustand. Die Folge waren Proteste in verschiedenen Ländern, in den USA engagierten sich die StudentInnen verschiedener Unis, in Deutschland machte die Kampagne für Saubere Kleidung Druck. Vor der Hauptversammlung von Adidas war nun eine Pressekonferenz mit NäherInnen aus Indonesien und Uwe Kekeritz, MdB geplant. Kurz bevor es dazu kam knickte Adidas ein. Insgesamt stand den ArbeiterInnen 3,4 Millionen US-Dollar (plus Zinsen) zu. Nun will der Konzern die noch ausstehenden 1,6 Millionen US-Dollar zahlen. Ein Sieg für die ArbeiterInnen der zeigt: Fortschritte sind möglich, wenn wir nur weiter ausreichend Druck machen.

130503_Brief_an_KiK_Einsturz_der_Textilfabrik_im_Rana-Plaza_Gebaeude_in_Dhaka