Treffen mit Frauenrechtsaktivistinnen aus Indien


20.10.2016
Als Schirmherr des von Misereor ausgerichteten Parlamentarischen Frühstücks „Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft – Beispiele der Ernährungssicherheit aus Indien“ traf Uwe Kekeritz die Frauenrechtsaktivistinnen Naseem Sheikh und Godavari Dange.

Obwohl Frauen einen Großteil der Grundnahrungsmittel produzieren sind Frauen und Mädchen besonders stark von Hunger und Mangelernährung betroffen. Die landwirtschaftliche Produktivität in Entwicklungsländern würde sich erhöhen, wenn geschlechtsspezifische Diskriminierungen im Agrar- und Ernährungssektor bekämpft würden. Der Anstieg der Produktivität könnte die Zahl der Hungernden weltweit um 12 bis 17 Prozent reduzieren. Naseem Sheikh und Godavari Dange arbeiten für und mit der Misereor-Partnerorganisation Swayam Shikshan Prayog (SSP), was „Innovativ sein und mit anderen lernen“ bedeutet.

Naseem Shaikh, die langjährige Erfahrung im Naturkatastrophenmanagement von SSP hat, von der schwierigen Ausgangslage vieler Frauen in Indien. In Indien sind circa siebzig Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft stellen und einen Großteil der Grundnahrungsmittel produzieren werden sie als unbezahlte Arbeitskräfte, oft ohne Zugang zu Land, stark marginalisiert. Die 1993 gegründete Organisation SSP arbeitet mittlerweile mit mehr als 70.000 Frauen in sieben indischen Bundesstaaten zusammen. Existentielle Notsituationen, gerade im Zusammenhang mit Klimawandel, ermöglichen es die traditionell schwache gesellschaftliche Rolle von Frauen aufzuheben, ihre Kompetenz als Ernährerin für die Familie zu betonen und ihren Beitrag zur Existenzsicherung zu unterstreichen. Regierungsprogramme würden meist auf Cash Crops wie Zuckerrohr, Baumwolle und Soja setzen und den Schulterschluss mit der Agrarindustrie suchen. Subventionierte Düngemittel und Pestizide bereiten gerade Frauen große gesundheitliche Probleme, weil sie bei ihrer täglichen Arbeit auf den Feldern in Kontakt mit giftigen Substanzen kommen. Naseem Shaikh nannte darüber hinaus weitere Argumente: durch die Abhängigkeit von Weltmarktpreisen für Zuckerrohr, Baumwolle & Co. schwankt das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern stark und die Gefahr einer ausweglosen Überschuldung steigt; der Fokus auf wenige Cash Crops verdrängt die Produktion von Nahrungsmitteln vor Ort, was sich insbesondere in Verbindung mit unsicherem Einkommen aus dem Verkauf der Cash Crops fatal auf die Ernährungssituation auswirkt; der Klimawandel macht das lokale Wetter unberechenbarer – diversifizierte Landwirtschaft kann die Auswirkungen abmildern; Kunstdünger und Pflanzengifte wirken sich nicht nur negativ auf die Gesundheit der Menschen sondern auch auf die Fruchtbarkeit des Bodens aus.

Godavari Dange ist Leiterin der von SSP gegründeten Frauenföderation in Maharashtra, in der 5.000 Frauen aus über 110 Gruppen organisiert sind. Sie hat sich von einer ‚normalen‘ Landfrau zur anerkannten Führungspersönlichkeit entwickelt. Sie berichtete von ihren eigenen Erfahrungen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Frauen pachtete sie zunächst Land, auf dem sie vor allem Gemüse anbaute. Durch ihre Erfolge konnte sie ihre Familie und insbesondere ihren Mann überzeugen ihr Land zu übertragen. Mit nicht mal einem Hektar baut sie nun 25 verschiedene Nahrungsmittel für zehn Personen sowie Futter für die Tiere des Haushalts an. Durch kluges Wassermanagement, Kompostierung und die geschulte Auswahl des eigenen Saatguts konnte die Ernährungssituation verbessert werden. Besonders wichtig ist dabei aus die Vorbildfunktion, die Frauen wie Godavari für andere erfüllen können. Schulungen und vor allem praktische Demonstrationen von Bäuerinnen zu Bäuerinnen verbreiten ihr Wissen.

Naseem und Godavari besitzen mittlerweile selbst Land, die Gesundheit und die Ernährungssituation ihrer Familien sich stark verbessert, sie können für ihre Rechte besser eintreten und vor allem ist die Entwicklung nachhaltig.