Singen für Demokratie in Aserbaidschan?


19.04.2012
Wie unbeschwert können wir den Eurovision Song Contest am 26. Mai in einem autoritären Land feiern?

Es soll eine schöne Party werden: Am 26. Mai wird der Eurovision Song Contest in Baku, in Aserbaidschan, ausgetragen. Letztes Jahr haben Ell und Nikki gewonnen und daher ist der ESC in ihr Heimatland gewandert. So weit, so gut: Aber wie lustig ist die Party in Aserbaidschan wirklich? Präsident Ilcham Alijew belegt mit seiner Regierung weltweit die hintersten Plätze bei der Pressefreiheit und beim Korruptionsindex.

Der Wettbewerb wird in der neugebauten „Baku Crystal Hall“ stattfinden. Human Rights Watch berichtet, dass im angrenzenden Viertel Häuser und Wohnungen rechtswidrig enteignet und geräumt wurden. In manchen Fällen wurden die Häuser ohne Vorwarnung abgerissen. Aserbaidschan will sich als strahlende Hauptstadt präsentieren: Auf die BewohnerInnen wird dabei keine Rücksicht genommen.

Wie reagieren die Veranstalter auf diesen faden Beigeschmack? Die europäische Rundfunkunion (EBU), beharrt darauf, dass der Wettbewerb eine „unpolitische“ Veranstaltung sei. Die Geschichte beweist das Gegenteil: Vom Boykott des ESC durch Österreich 1969 wegen der Franco-Diktatur bis hin zum Rückzug Armeniens aus dem diesjährigen Wettbewerb zeigt sich, dass die Länder dem Ereignis auch politische Bedeutung beimessen.

Deutschland muss daher klar und deutlich Position beziehen, für Menschenrechte und Demokratie. Wenn der ESC nicht genutzt wird, um für die Rechte der Menschen in Aserbaidschan zu sprechen, ist er ein verlorenes Ereignis. Dann wäre ein Boykott folgerichtiger.



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