Schritt für Schritt zu mehr globaler Gerechtigkeit


16.06.2016
„Manche Ideen brauchen Zeit, um sich durchzusetzen. Lassen Sie uns deswegen weiter Schritt für Schritt für mehr globale Gerechtigkeit streiten“, gab Uwe Kekeritz seinen Gästen aus Franken mit.

Im Rahmen der Informationsfahrt des Bundespresseamtes unter dem Titel „Globale Gerechtigkeit. Wie schaffen wir das?“ standen eine Diskussion im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf dem Programm sowie Treffen mit verschiedenen NGOs auf dem Programm.

Weiter für mehr globale Gerechtigkeit streiten
„Manche Ideen brauchen Zeit, um sich durchzusetzen. Denken Sie an den Atomausstieg. Lassen Sie uns deswegen weiter Schritt für Schritt für mehr globale Gerechtigkeit streiten“, zeigte sich Kekeritz in der Diskussion mit seinen Gästen kämpferisch.

Neben den Handelsabkommen TTIP und CETA, die nur den Konzernen nützten, kritisierte Uwe Kekeritz die Politik der Bundesregierung, die erst die Konzerne in eine solch machtvolle Position bringt. Denn es sind Merkel und Co., die auf internationalem Parkett zum Beispiel den Abbau schädlicher Agrarsubventionen oder eine UN-Steuerkommission verhindern.

„Doch gerade eine andere Agrarpolitik und der vehemente Einsatz für weltweite Steuergerechtigkeit sind zwei von vielen notwendigen Schritten, um Fluchtursachen und nicht Flüchtlinge zu bekämpfen“, ist Kekeritz sicher.

Zweifel an den warmen Worten des BMZ
Eine andere Sicht auf die deutsche Entwicklungspolitik vertrat die Referentin des BMZ: Deutschland verfolge gewiss eine interessengeleitet aber zugleich wertebasierte Entwicklungspolitik. Minister Müller habe mit der „Zukunftscharta“, dem Programm „Eine Welt ohne Hunger“ und dem Textilbündnis wichtige Projekte auf den Weg gebracht.

Auch seinen einige der Millenium-Development-Goals (MDG) erfolgreich bearbeitet, stellte die Referentin des BMZ heraus. Zum Beispiel sei die Zahl der Hungerenden ebenso wie die weltweite Armut zurückgegangen. 90 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern besuchten inzwischen die Schule. Doch musste sie selbst einräumen, dass dies nur Einschulungsquoten seien, die nichts darüber aussagen wie lange die Kinder die Schule besuchen und welche Qualität der Unterricht hat.

Hungerbekämpfung ist Fundament nachhaltiger Entwicklung
„Hungerbekämpfung ist das Fundament nachhaltiger Entwicklung. Deshalb leisten wir Nothilfe und bekämpfen die Ursachen des Hungers“, so Ralf Südhoff vom World Food Programme (WFP). Zwar hat die „Grüne Revolution“ die Nahrungssituation verbessert, doch wirkt sie nicht nachhaltig. Viele Ursachen des Hungers wie Preissteigerungen durch Nahrungsmittelspekulationen, Kriege, Folgen der Klimakrise oder Schieflagen in der internationalen Handelsarchitektur wirken leider immer noch fort.

„Regelmäßige, zuverlässige und langfristige Hilfen wirken am effektivsten gegen den Hunger“, ist Südhoff überzeugt. Dabei ist es wichtig, nicht unbedingt auf große Lösungen zu setzen, sondern zum Beispiel in Kleinbäuer*innen zu investieren und Frauen zu fördern. Denn Frauen geben im Gegensatz zu Männern Geld am ehesten für die Ernährung und Bildung ihrer Kinder aus.

Mit dieser Linie konnte das WFP bereits Erfolge erzielen. Doch stellen die aktuellen Konflikte in ihrer Häufigkeit und Heftigkeit Südhoff und Kolleg*innen vor große Ratlosigkeit, denn der Bedarf an humanitärer Hilfe ist immens gestiegen. So ist das WFP gezwungen, auch zu helfen, wenn es nicht nachhaltig ist, „Denn es geht um Millionen von Menschenleben“, so Südhoff. Es sei also besser zu helfen als nicht zu helfen.

Einheizen für nachhaltige Entwicklung
Nicole Schenda von Oxfam präsentierte ein Projekt zur ländlichen Entwicklung und zum Ressourcenschutz in der DR Kongo, in der Provinz Süd-Kivu. Dort, auf dem Hochplateau von Minembwe, müssen Frauen und Mädchen täglich Brennholz heranschaffen. Das ist mühsam und vor allem gefährlich, weil ihnen Milizen auflauern und sie bedrohen oder gar vergewaltigen. Außerdem führt die permanente Abholzung dazu, dass die Bodenqualität abnimmt und Trinkwasser knapp wird. Mit einer lokalen Partnerorganisation hat Oxfam deshalb begonnen, Energiesparherde zu bauen.

Diese brauchen weniger Holz. So haben Frauen und Mädchen weniger Arbeit und mehr Zeit für andere Dinge, zum Beispiel, um Lesen und Schreiben zu lernen. Besonders müssen sich Frauen und Mädchen nun nicht mehr so oft der Gefahr sexueller Übergriffe aussetzen. Zudem entsteht durch die Energiesparherde weniger Rauch als durch offene Feuerstellen, man braucht weniger Wasser zum Kochen und das Essen schmeckt besser und ist gesünder.

Verbunden mit den Energiesparherden ist ein Projekt zur Wiederaufforstung sowie die Einfassung von Quellen zur Trinkwassergewinnung. Beides weitere wichtige Beiträge zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sowie der Gesundheit der Menschen auf dem Minembwe-Plateau.