Ohrfeigen sind an der Tagesordnung


19.04.2012
„Anschreien und Ohrfeigen sind an der Tagesordnung“, berichteten Elia Yadira Rodriguez Lopez und Ana Maria Hernández aus Honduras. Sie klärten über die miserablen Bedingungen in den Nähfabriken Lateinamerikas auf.

Lopez und Hernández berichteten im EineWeltHaus München über das Unternehmen Lion Apparal. „Das geht die öffentliche Hand etwas an“, so Uwe Kekeritz. „Bundeswehr, Feuerwehr und Polizei beziehen Uniformen von Lion Apparel. Angesichts der Arbeitsrechtsverletzungen bei deren Zulieferern finde ich das skandalös“. Er freute sich daher, dass die CIR (Christliche Initiative Romero) die Frauen nach Deutschland eingeladen hatte.

Lopez kämpft als Koordinatorin der unabhängigen Monitoring-Organisation EMIH für gerechte Arbeitsbedingungen in den Maquilas. Hernández arbeitet als Näherin und ist den Schikanen tagtäglich ausgesetzt: „Uns werden elementarste Menschenrechte verwehrt. Alle Frauen müssen sich bei ihrer Einstellung einem Schwangerschaftstest unterziehen. Wer schwanger wird, wird sofort entlassen.“

Frauen als Leidtragende
Kekeritz wies daraufhin, dass gerade Frauen die Leidtragenden der Verlagerung der Kleiderproduktion seien. „Frauen werden gerne eingestellt, weil sie als disziplinierter als Männer gelten und man ihnen als „Zuverdienende“ angeblich einen schlechteren Lohn zahlen kann“, empörte er sich.

Auch innerhalb der ArbeiterInnenbewegung in einem machistischen Land ist weibliche Durchsetzungskraft gefragt. Lopez hat es geschafft, als Koordinatorin überprüft sie die Einhaltung von Arbeitsbedingungen: So wird immer 3 Prozent des Bruttogehaltes der ArbeitnehmerInnen einbehalten.

Zusammen mit einem Eigenanteil sollen die Firmen die Frauen damit zur Gesundheitsversorgung anmelden. Das passiert jedoch in den seltensten Fällen. „Die Ergebnisse unserer Untersuchungen sind häufig desaströs. Mit unserer Arbeit üben wir daher Druck auf Regierung und Unternehmen aus“, ist sie überzeugt.

Was können VerbraucherInnen tun?
Und was können VerbraucherInnen in Deutschland tun? Zuerst einmal natürlich so wenig kaufen wie nötig und wenn dann fair einkaufen. Langfristig bleibt das aber eine Nische. „Ziel muss auch sein, die konventionellen Kleidungsfirmen zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu zwingen“, so Kekeritz. Schließlich wollen die Frauen in Übersee ihre Arbeitsplätze behalten und ein menschenwürdiges Leben führen.

Mehr Macht als die BürgerInnen hat die öffentliche Hand. Bei Ausschreibungen für große Mengen an Kleidung, etwa für die Feuerwehr oder die Polizei, müssen soziale Standards gefordert werden. „Eine entsprechende Anfrage an die bayerische Staatsregierung werde ich stellen“, so Uwe Kekeritz.



Weiterführende Links:


Faire Kleidung - 05.02.2014 11:26
Der Stoff, aus dem die Träume sind - 13.02.2012