Mütter- und Kindergesundheit: Schicksale, die sich vermeiden ließen


21.10.2016
Bei der öffentlichen Anhörung über Mütter- und Kindergesundheit diskutierte Uwe Kekeritz mit verschiedenen Expert*innen und Abgeordneten.

Neben der Finanzierung von Gesundheitsdiensten sind auch Gendergerechtigkeit, Bildung und selbstbestimmte Familienplanung wichtige Faktoren, um die Gesundheitslage von Schwangeren, Müttern und Kindern zu verbessern.

Der medizinische Fortschritt wird nur einem kleinen Teil der Menschheit zuteil. Vor allem Frauen und Kinder haben unter dem fehlenden Zugang zu öffentlichen Gesundheitsdiensten zu leiden. Noch immer sterben täglich schätzungsweise 800 Frauen an den Folgen einer schlecht betreuten Schwangerschaft. Allein im Jahr 2015 starben 5,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Ein Großteil dieser traurigen Schicksale ließe sich längst vermeiden.

Am 19. Oktober fand im Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (AWZ) daher eine öffentliche Anhörung zum Thema „Mütter- und Kindergesundheit in Entwicklungs- und Schwellenländern“ statt. Die Abgeordneten diskutierten mit geladenen Expert*innen über die Bekämpfung von Mütter- und Kindersterblichkeit sowie das entwicklungspolitische Engagement Deutschlands im Bereich der globalen Gesundheit. Uwe Kekeritz, der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, forderte die Bundesregierung dazu auf, das Thema im Rahmen der G-20-Präsidentschaft aufzugreifen: „Gerade G-20-Mitgliedsstaaten wie Indien können hier in die Pflicht genommen werden den Schutz von Müttern und Kindern ernster zu nehmen!“, so Kekeritz.

Schlüsselrolle der Gendergerechtigkeit

Bei der Umsetzung des Menschenrechts auf Gesundheit kommt der Gendergerechtigkeit eine Schlüsselrolle zuteil. Gisela Schneider, Direktorin des „Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e.V.“ (Difäm) unterstrich die hohe Zahl von Frauen, die aufgrund ihres Geschlechtes weiterhin diskriminiert und unterdrückt werden. Der gleich berechtigten Zugang zu Bildung und eine selbstbestimmte Familienplanung sei dringend notwendig. Dr. Schneider betonte, dass Jungen und Männer gleichsam über Verhütung und Familienplanung aufgeklärt und sich pflichtbewusst mit Mütter- und Kindergesundheit auseinander setzten müssen.

Fehlende statistische Erfassung

Deutlich wurde ebenfalls, dass viele Missstände durch schwache Bevölkerungsstatistiken und fehlende Registrierungssysteme gar nicht erst erfasst werden. So betonten Yosi Echeverry Burckhardt von UNICEF Deutschland und Dr. Detlef Virchow von Plan International, dass Neugeborene vielerorts gar nicht erst nicht registriert würden. Davon sind v.a. Kinder aus abgelegenen Regionen, Straßenkinder, Kinder aus Minderheiten und Kinder mit Behinderungen in armen Ländern betroffen. Das Problem verschärft sich durch Krieg und Vertreibung. „65 Millionen Menschen sind auf der Flucht, rund die Hälfte davon sind Kinder und viele werden auf der Flucht geboren. Eine Registrierung bleibt meistens aus und ohne eigene Rechte sind diese Kinder leichte Beute für Menschenhändler, Missbrauch und Ausbeutung. Deutschland muss sich endlich für offizielle Registrierungen weltweit einsetzen!“, so Kekeritz . Schätzungen zu Folge werden auch durch ihre fehlende statistische Erfassung 290 Millionen Kinder weltweit nicht in Haushalte von Regierungen mit eingerechnet.

Fehlendes Engagement der Bundesregierung

Die Bundesregierung enttäuscht bislang durch mangelndes Engagement.
Marwin Meier von der Organisation „World Vision e.V.“ kritisierte, dass die Bundesregierung zu wenig Geld für die Finanzierung grundlegender internationaler Gesundheitsdienste zur Verfügung stelle. Zum einem müssten 400 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich in den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose (GFATM) eingezahlt werden. Zum anderen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens für internationale Gesundheitsfinanzierung eingeplant werden, allerdings zahle die Bundesregierung derweil nur ein Drittel ein.

Uwe Kekeritz fand deutliche Worte um zu betonen, dass fehlende Gesundheitsversorgung vor allem ein politisches Problem sei und kein medizinisches. Deutschland stehe in der Pflicht, seine finanziellen Zusagen wie etwa das 0,7-Prozent-Ziel einzuhalten. Kekeritz: „Das Menschenrecht auf Gesundheit ist keine Verhandlungsmasse. Wir können es uns nicht länger leisten, dieses weiterhin zu missachten.“