Mikrokredite – Ende einer Erfolgsgeschichte?


04.05.2012
Bei einer Veranstaltung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) diskutierte Uwe Kekeritz am vergangenen Mittwoch über diese Frage und äußerte dabei Kritik an der derzeitigen Lage der Mikrofinanz-Branche. Als Anlass diente der Staatsbesuch der luxemburgischen Großherzogin Maria Teresa, die zusammen mit der Nürnberger First Lady Daniela Schadt die Veranstaltung eröffnete.

Auf dem Podium saßen neben Uwe Kekeritz Marc Bichler aus dem luxemburgischen Außenministerium, Doris Köhn von der KfW Entwicklungsbank sowie Thomas Engelhardt, Geschäftsführer einer Beratungsfirma für Mikrofinanzierung. In ihrem Eingangsstatement betonte Großherzogin Maria Teresa die entscheidende Bedeutung der Mikrofinanzierung für Menschen in Entwicklungsländern. Als Beispiel berichtete sie von ihrer Begegnung mit einem Jungen in Bangladesch, der nur dank eines Mikrokredites die Chance bekommen hatte, lesen und schreiben zu lernen.

Tatsächlich wurde die Mikrofinanzierung noch bis vor kurzem von vielen als Allheilmittel bei der Armutsbekämpfung angesehen. Spätestens seit im Jahr 2006 der Begründer der Mikrofinanz-Idee, Muhammad Yunus, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, wird dem Konzept in aller Welt große Aufmerksamkeit zuteil. Gerade in den letzten Jahren ist die Mikrofinanzierung jedoch zunehmend in die Kritik geraten.  Schuld daran ist nicht zuletzt die gravierende Krise der indischen Mikrofinanz-Branche, die Ende 2010 ihren Höhepunkt erreichte.

Uwe Kekeritz betonte,  dass Mikrokredite generell ein geeignetes Instrument zur Armutsbekämpfung darstellten. Mittlerweile sei jedoch die ursprüngliche Idee zusehends verloren gegangen, da die Kreditgeber häufig auf Profitmaximierung aus wären anstatt auf Verantwortungsbewusstsein und Sozialverträglichkeit zu setzen. Die deutsche Bank verspricht Anlegern beispielsweise bis zu 9,5% Rendite. Da neben den Investoren auch die anderen Ebenen – Mikrofinanzinstitute und lokale Geldverleiher – von den Geschäften profitieren müssen, belaufen sich die effektiven Zinssätze für Kreditnehmer am Ende häufig auf um die 40%.

Wenn nur nach der Rendite gefragt wird, könnten internationale Finanzfonds erheblichen Schaden anrichten, erklärte Kekeritz. So gab es zu Zeiten der Mikrofinanzkrise in Indien viele Fälle überschuldeter Kleinkreditnehmer, die keinen Ausweg aus der Situation sahen und deshalb Selbstmord begingen. Mit dem Ziel, arme Menschen mit einer guten Geschäftsidee zu unterstützen und ihnen eine selbstbestimmte Existenz zu ermöglichen, habe diese Praxis nichts mehr zu tun.

Am Ende waren sich die Diskussionspartner aber in einer Sache einig: Auch in 20 Jahren sollte Mikrofinanzierung eine wichtige Rolle spielen. Für Uwe Kekeritz muss die Branche jedoch strenger reguliert werden, damit wieder die Kreditnehmer im Mittelpunkt stehen und sich selbst aus der Armut befreien können.

Im Anschluss an die Veranstaltung hatte er noch die Gelegenheit, sich mit Daniela Schadt, der Lebensgefährtin des neuen Bundespräsidenten Gauck auszutauschen. Die Stadt Nürnberg, in der Schadt bis vor kurzem gelebt und gearbeitet hatte, verbindet die beiden.