Landwirtschaft, die den Menschen nutzt


05.09.2012
Der Europaabgeordnete Martin Häusling aus Hessen sieht die Agrarreform 2013 als Chance und informierte in Roßtal gemeinsam mit Uwe Kekeritz über Landwirtschaftspolitik.

„In den Ländern des Südens wird die Subsistenzwirtschaft immer schwieriger“, ergänzte Kekeritz die europapolitische Sichtweise seines Kollegen. Dabei sei es unabdingbar, dass die Menschen ihre Nahrungsmittel selbst herstellen können. „In Europa haben wir dagegen eine Überproduktion von Nahrungsmitteln, so zynisch das klingt“, gab Kekeritz zu bedenken.

Häusling stimmte Kekeritz zu und kritisierte die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union scharf. Selbst hatte er seinen Betrieb bereits in den 80er Jahren auf Biolandbau umgestellt. „Daher weiß ich, wie verheerend die derzeitigen Fehlanreize sind. Immer noch werden die Mittel aus dem EU-Haushalt so verteilt, dass industrialisierte Großbetriebe mit zigtausenden von Tieren oder riesigen Landflächen mehr direkte Zahlungen erhalten als die kleinbäuerlichen Betriebe.“ Tausende LobbyistInnen sorgen jeden Tag in Brüssel dafür, dass es so bleibt.

Dennoch kämpft der 2009 gewählte Abgeordnete beständig für einen ressourcenschonenden Nahrungsmittelanbau. Er möchte die Fruchtbarkeit der Ackerböden und die Wasserressourcen erhalten  „Die Lage ist deprimierend, aber ohne die grüne Europafraktion wäre sie noch schlimmer“, ist sich Häusling sicher. Unermüdlich kämpfen die Grünen gegen die Einflüsse von Konzernen der Lebensmittelindustrie und der Agrochemie auf die Agrarpolitik.

„Ob genmanipuliertes Saatgut, die dazu gelieferten Pestizide und Herbizide und Düngemittel oder Futtermittel aus Soja – die Bauern werden von den Konzernen gezwungen, ihre Produkte abzunehmen und das weltweit“, verwies Kekeritz auf ein globales Problem.

Beide sind sich einig: Die technischen und finanziellen Möglichkeiten für eine nachhaltige, menschen, tier- und umweltgerechte Landwirtschaft und Ernährung stehen zur Verfügung.  Es fehlen einzig der Wille und der Mut zu einer entsprechenden Marktgestaltung. Die europäische Agrarpolitik braucht neue Ziele. Eine Chance dafür bietet die EU-Agrarreform 2013.