Klimarisikoversicherungen – Klimagerechtigkeit geht anders!


30.01.2017
Stürme, Dürren, Überschwemmungen und Extremwetterereignisse sind nur einige Beispiele für das Ausmaß der globalen Erwärmung. Dass der Klimawandel die Anzahl und Intensität von Naturkatastrophen verschärft, zeigt sich in der stetigen Zunahme von klimabedingten Schäden und Verlusten.

Die Hauptleidtragenden sind dabei die ärmsten und verletzlichsten Staaten der Welt. Die Frage nach der Kompensation und Finanzierung von klimabedingten Schäden und Verlusten ist bisher noch völlig ungeklärt. Für den Ausgleich von Schäden und Verluste gibt es keine völkerrechtlich bindende Zusage von Finanzmitteln, ein notwendiger „Loss and damage-Fonds“ der Vereinten Nationen wird blockiert. Die ärmsten Staaten mussten durch ihre Unterschrift unter das Klimaabkommen von Paris zusichern,  keine Kompensationsansprüche in Katastrophensituationen zu stellen. Dabei sollten doch gerade die reichen Industriestaaten, die 90% der CO2- Emissionen verursachen, zur Verantwortung gezogen werden, um den ärmsten Ländern der Welt bei der Bewältigung ihrer Krisen beizustehen.

Die InsuResilience Klimarisikoversicherung, die auf Initiative der Bundesregierung von den G7- Staaten im Juni 2015 in Elmau begründet wurde, soll nun in Teilen Abhilfe verschaffen. Ziel ist es, bis 2020 400 Millionen Menschen in Entwicklungsländern Versicherungsschutz gegen Klimarisiken anzubieten. Dem Thema Klimarisikominderung und Klimarisikotransfer mehr Aufmerksamkeit zu widmen, und die ärmsten Bevölkerungsgruppen ins Zentrum zu stellen, ist lobenswert, doch das Konzept lässt viele zentrale Fragen offen.

Das BMZ wirbt dafür, mit den Klimarisikoversicherungen eine „globale Gerechtigkeitslücke“ zu schließen. Von Klimagerechtigkeit kann aber keine Rede sein, wenn nun die Staaten, die kaum etwas zum Klimawandel beigetragen haben, ihre Versicherungsbeiträge für den Ausgleich der Schäden selber tragen sollen. Bisher sind die Beiträge auch viel zu hoch, sodass die Ärmsten sich Direktversicherungen trotz Unterstützung nicht leisten können. Gerade die besonders gefährdeten  Länder wie die Inselstaaten Tuvalu und Fidschi können die Versicherungen aus finanziellen Gründen gar nicht erst abschließen.

Die Bereitstellung von Klimarisikoversicherungen durch private Unternehmen und Public- private Partnerships (PPP) sieht Uwe Kekeritz, äußerst kritisch. “Die Absicherung von überlebenswichtigen Grundbedürfnissen darf nicht Unternehmen überlassen werden, deren oberstes Ziel es ist, Gewinne auf neuen Absatzmärkten zu maximieren! Um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, muss der Fokus auf einer öffentlichen Finanzierung liegen.“, betont Kekeritz.

Außerdem dürften Versicherungen gegen Klimarisiken Landwirten nicht die Nutzung umwelt- und klimaschädlicher industrieller Betriebsmittel auferlegen, führt der Grünen Politiker weiter aus. „Fälle, in denen Versicherungsleistungen an den Kauf von Hybrid- Saatgut gekoppelt werden, sind weder nachhaltig, noch fördern sie lokal angepasste Anbaumethoden. Vielmehr führen sie Kleinbauern in finanzielle Abhängigkeiten!“

Angesichts der bisher angekündigten Maßnahmen zum Klimaschutz, ist die Einhaltung des im Pariser Klimaabkommen beschlossene 2- Grad- Ziels in weite Ferne gerückt. Risikoversicherungen haben zwar den Vorteil, dass sie die Opfer von Klimakatastrophen schnell erreichen können. Sie sind aber kein Allheilmittel für vorhersehbare Schäden, die heute verursacht werden. Was nützen die besten Versicherungslösungen, wenn die klimabedingten Schäden ein Ausmaß erreichen, das schon gar nicht mehr versicherbar ist, wie schon heute im Falle der vom Untergang bedrohten Inselstaaten?

Wenn die Bundesregierung ernsthaft internationale Verantwortung für Klimaschutz übernehmen will, und die ärmsten Staaten der Welt schützen will, muss sie viel mehr tun, als Entwicklungsländern Angebote zu machen, die sie eventuell noch in eine Verschuldungskrise treiben. Der Beschluss des Kohleausstiegs wäre schon mal ein Anfang.