Kleine Anfrage: Nachhaltige Entwicklungschancen im Globalen Süden durch dezentrale erneuerbare Energien


11.07.2016
Damit das Pariser Klimaziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, Realität werden kann, braucht es eine globale Transformation. Trotz der großen Chancen auf eine gerechte und ökologische Entwicklung mit und durch erneuerbare Energien investiert auch die Bundesrepublik Deutschland nach wie vor in fossile Projekte im Globalen Süden. Uwe Kekeritz und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen befragen die Bundesregierung zur globalen Energiewende.

Das Potenzial erneuerbarer Energien ist so groß, dass ein Vielfaches des globalen Energiebedarfs gedeckt werden könnte. Doch dafür bedarf es enormer Investitionen und einer mutigen Abkehr von einem System, welches auf nicht nachhaltiger Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen beruht. Während Deutschland diesen Weg mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz eingeschlagen und bereits eine gute Strecke zurückgelegt hat, versuchen andere Gesellschaften ebenfalls, ihre Energiesysteme zu transformieren.

Eine besondere Herausforderung liegt dabei in den Regionen der Welt, in denen die Investitionsstärke besonders gering ist. Allerdings sind gerade in den Ländern des Globalen Südens die Chancen besonders offensichtlich: Dort wurde vielerorts noch kein fossiles Energiesystem komplett aufgebaut und es ist zu erwarten, dass die Beharrungskräfte nicht so stark sind. Diese Chance muss ergriffen werden.

Für die Länder des Globalen Südens bedeutet dies ein „leap frogging“ – also das Überspringen des auf fossile Energien beruhenden Entwicklungsmodells. Dezentrale erneuerbare Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse hat nicht nur den Vorteil, dass sie sauberer ist als fossile Energien und vor allem sicherer als Atomkraft. Sie bietet auch große Chancen, die Energiearmut zu bekämpfen und ist nicht zwangsläufig auf gut ausgebaute Energienetze angewiesen. Denn die meist kleinteiligen Anlagen erfordern geringere Investitionen als große Kraftwerke und können zum Teil autark sein. Dezentrale Anlagen haben auch das Potenzial, zur Vermeidung von gewalttätigen Konflikten beizutragen, indem soziale, ökologische und menschenrechtliche Kriterien berücksichtigt werden und es so z. B. nicht zu großflächigen Umsiedlungen und Landverlusten für die lokale Bevölkerung kommen muss. Nicht umsonst ist das siebte globale Nachhaltigkeitsziel genau darauf bezogen: allen Menschen den Zugang zu sauberer, moderner und sicherer Energie zu verschaffen.

Trotz der großen Chancen auf eine gerechte und ökologische Entwicklung mit und durch erneuerbare Energien investiert auch die Bundesrepublik Deutschland nach wie vor in fossile Projekte im Globalen Süden. So verweist eine aktuelle MISEREOR-Studie darauf, dass die Kohlekraftwerke Kusile und Medupi in Südafrika von der KfW IPEX-Bank gefördert wurden und deutsche Unternehmen wie Siemens beteiligt sind. Beide Kraftwerke tragen nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort bei, da die Energie maßgeblich für die zum Teil exportorientierte Industrie bereitgestellt, die öffentliche Infrastruktur nicht angemessen ausgebaut wird und neue Arbeitsplätze an Arbeitsmigranten gehen. Zudem gefährden die Minen die Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung.

Aber auch große Wasserkraftprojekte wie am Rio Tapajós oder Belo Monte in Brasilien können verheerende Folgen für die örtliche Bevölkerung nach sich ziehen. Oft sind diese Projekte zudem mit der Abholzung und Flutung von Regenwäldern verbunden, die damit als Kohlenstoffspeicher und Kulturraum zerstört werden.



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