Kleine Anfrage: Menschenrechtsverletzungen in der indischen Textilindustrie – Das Sumangali-System als moderne Form der Sklaverei


09.10.2012
Uwe Kekeritz fordert Auskünfte von der Bundesregierung zu Menschenrechtsverletzungen in der indischen Textilindustrie, in die auch Firmen wie C&A, H&M und Primark verwickelt sein sollen.

Medienberichte aus diesem und dem letzten Jahr haben offenbart, dass die Textilindustrie in Indien einen Teil ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter in sklavenähnliche Verhältnisse drängt. Zahlreiche indische Mädchen und Frauen, bekannt als „Sumangali“, verpflichten sich, für drei bis vier Jahre in Textilfabriken oder Baumwollspinnereien zu arbeiten. Größtenteils werden ihnen falsche Versprechungen über die Arbeitsbedingungen gemacht. Die Vergütung der „Sumangali“ für einen Tag liegt deutlich unter dem indischen Mindestlohn und beträgt in der Regel unter 60 Cent. Die Bezahlung erfolgt nur, wenn die vollständige Vertragslaufzeit (drei bis vier Jahre) abgearbeitet wurde. Die Mädchen und Frauen arbeiten oft mehr als zwölf Stunden am Tag und dürfen das Fabrikgelände nicht frei verlassen. Oftmals leben sie in Baracken, sieben Mädchen in einem Zimmer, ohne Betten und ohne Privatsphäre. Viele von ihnen werden geschlagen, gedemütigt und erhalten nur selten ausreichend Nahrungsmittel. Überstunden werden nicht bezahlt und eintägige Krankheitsfälle führen zuweilen dazu, dass die Frauen und Mädchen einen ganzen Monat umsonst nacharbeiten müssen. Diese Arbeitsverhältnisse erfüllen den Tatbestand der Sklaverei gemäß Artikel 1 des Übereinkommens betreffend die Sklaverei sowie den Tatbestand der Zwangsarbeit gemäß Artikel 2 des ILO-Übereinkommens 29 (ILO = International Labour Organization) über Zwangs- oder Pflichtarbeit und verstoßen damit gegen Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Zwar verbietet auch das indische Recht derartige Zwangsverhältnisse, dennoch existieren in Indien zahlreiche Produktionsstätten, in denen solche Arbeitsverhältnisse bestehen. Nach Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen sind aktuell ca. 120 000 oftmals minderjährige Frauen als „Sumangali“ tätig.

Die von der Bundesregierung geförderte Kampagne „aktiv gegen Kinderarbeit“ schreibt: „Über das Sumangali-Schema wurde in dem im Mai 2011 veröffentlichten Bericht Captured by Cotton des niederländischen SOMO Forschungszentrums für multinationale Unternehmen und des Indien Komitees der Niederlande ausführlich berichtet. Für den Report wurden vier Textilfabriken untersucht. In diesen sollen auch für die Firmen ASOS, Bestseller, C&A, Grupo Cortefiel, H&M, Mothercare, Next, Primark und Tesco produziert worden sein.“



Weiterführende Links:


http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/109/1710948.pdf