Kinder in Katastrophen – Bedroht, bedrängt, benachteiligt!


03.06.2014
Am 3. Juni diskutierte Uwe Kekeritz mit Christoph Strässer (SPD), Eckhard Pols (CDU) und Fabian Böckler (Plan International Deutschland) über die Bedürfnisse von Kindern in Katastrophen.

25 Jahre Kinderrechte – 25 Jahre Plan

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen feiert im November dieses Jahres ihr 25-jähriges Bestehen. Die Konvention schützt alle Menschen unter 18 und gewährt ihnen solche Grundrechte wie Recht auf Familie, elterliche Fürsorge und sicheres Zuhause, Bildung, Gesundheit, Gleichbehandlung und gewaltfreie Erziehung. Die Konvention sieht außerdem vor, dass Kinder in Katastrophen und Notlagen sofortige Hilfe sowie Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung bekommen.

Das 25-Jubiläumsjahr des Plan International Deutschland – wie das der UN-Kinderrechtskonvention – gab den Anlass zur Podiumsdiskussion zwischen Uwe Kekeritz und anderen Parlamentariern, die sich mit Menschenrechts-, Kinderrechtsproblematik und Entwicklungspolitik im Deutschen Bundestag beschäftigen. Im Fokus: Welche besonderen Bedürfnisse haben Kinder in und nach Katastrophen und wie müssen sie unterstützt werden, damit sie ihre Traumata überwinden können.


Drohende Katastrophen

Dr. Unni Krishnan, Leiter der Abteilung Humanitäre Hilfe und Katastrophenvorsorge von Plan International, warnte vor einer ausbrechenden Katastrophe im Südsudan, wo momentan sechs Millionen Menschen von zehn Millionen Gesamtbevölkerung hungern. Die Situation könnte sich zur schlimmsten Hungersnot der letzten 30 Jahren entwickeln. Auch in der Zentralafrikanischen Republik leiden die Menschen an Hunger und den Hilfsorganisationen fehlen die Mittel, allen genug Ernährung zur Verfügung zu stellen. Dabei leidet fast die Hälfte aller dortigen Kinder unter fünf bereits an schwerwiegenden Wachstumsstörungen in Folge der Mangelernährung.

Uwe Kekeritz machte deutlich, dass das Hungerleiden vor allem für Kinder gefährliche Folgen mit sich bringe, denn ohne Nahrung leide ihr geistige Entwicklung mit lebenslangen Folgen. Kekeritz warnte in diesem Zusammenhang vor einer „verlorenen Generation“. Hunger sei einer schlimmsten menschlichen Geiseln.
Kinder in Not – auch eine Frage der Finanzierung!

Fabian Böckler von Plan International Deutschland sah es als problematisch, dass der Auswärtige Amt unter Humanitärer Hilfe ausschließlich lebensrettende Maßnahmen finanziere. Dabei würden Kinder zwar ernährt, aber es bliebe keine Möglichkeit, ihnen ihre „nichtsichtbare Bedürfnisse“ wie Bildung oder psychologische Fürsorge anzubieten, um die erlebten Traumata zu überwinden. Kekeritz betonte demgegenüber, dass gerade die entwicklungsorientierte Struktur- und Übergangshilfe gestärkt werden müsste, insbesondere finanziell. Der jetzige Haushaltsentwurf vernachlässige aber gerade die Ärmsten der Armen. Die Bundesregierung setze lieber auf Rechentricks statt auf globale Gerechtigkeit.

Die Diskussion fand unter einer regen Publikumsbeteiligung statt. Eine Teilnehmerin wies darauf hin, dass es für das reiche Land Deutschland beschämend wäre, das Versprechen der Bundesregierung, 0,7% des Bruttoinlandsprodukts für die Entwicklungszusammenarbeit auszugeben, nicht zu erfüllen.

Mädchen im Fokus

Auf Anregung der Stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Frauenrates kam es in der Diskussion außerdem zur Sprache, dass besonders Mädchen in Schutz genommen werden sollen und dass das Gender-Aspekt auch bei der Mittelvergabe eine große Rolle spielen soll. Uwe Kekeritz berichtete von seinen Besuchen in den Flüchtlingslagern in Jordanien und im Libanon und betonte dabei die Herausforderung, dass es gerade für Mädchen und Frauen gelte, Schutzräume zu schaffen – sowohl in Form von konkreten Maßnahmen als auch im Dialog, um hierfür Bewusstsein zu befördern.

Eine Vertreterin von Mama Afrika e.V. wies außerdem auf immer noch bestehendes Problem der Frauen-Beschneidung hin. Der entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen, Kekeritz, ergänzte, dass man hierbei vor allem die Aktivistinnen vor Ort in ihrer Aufklärungsarbeit unterstützen müsse. Christoph Strässer (SPD), Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, betonte außerdem, dass es auch eine große politische Aufgabe wäre, massiv gegen die Relativierung der Menschenrechte – z.B. im kulturellen Sinne – zu halten.