Kampf gegen blutiges Ritual


05.02.2013
Uwe Kekeritz berichtete beim Internationalen Tag Null Toleranz gegenüber Genitalverstümmelung über seine Reisen nach Sierra Leone und Liberia

Ein Unterleib aus Plastik, aber ohne weibliche Genitalien: Kekeritz zeigte verstörende Bilder. Er illustrierte seine Reise zu den Aktivistinnen gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in Sierra Leone und Liberia. Diese verwenden anschauliche Modelle, um mit den Menschen in den Dörfern die Auswirkungen von FGM zu besprechen.

Die Veranstaltung fand mit freundlicher Unterstützung von Pater Jörg Alt im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus statt. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit um sich an diesem Internationalen Aktionstag über das grausame Ritual zu informieren: Sie diskutierten emotional mit.

„Das Wichtigste ist mit den Menschen in den betroffenen Ländern ins Gespräch zu kommen: Mit Männern und Frauen, Jung und Alt“, ist Kekeritz überzeugt. Denn dass offen über ein solches Thema gesprochen wird, ist nicht selbstverständlich. Das Tabu um den Körper, weibliche Sexualität und Geburt ist sicherlich ein Grund für den Fortbestand der FGM. Immer noch sind bspw. in Sierra Leone und Liberia Geheimbünde aktiv, die offenes Sprechen über die Verstümmelung mit gesellschaftlichem Ausschluss oder sogar Schlimmerem bestrafen.

„Die Information über diese Tradition und der Kampf dagegen müssen erfahrene Männer und Frauen vor Ort leisten, das kann nicht von außen geschehen“, war Kekeritz überzeugt. Formen der Genitalverstümmelung werden in über 28 Ländern in Afrika, aber auch auf der arabischen Halbinsel und Indonesien praktiziert. Diese Initiativen müssten aber durch deutsche Entwicklungszusammenarbeit finanziell und organisatorisch unterstützt werden, noch mehr als bisher, betonte Kekeritz.

Wie vielfältig die Begründungen für das Ritual, die Gesellschaftsstrukturen und damit auch die Gegenstrategien sein müssen, zeigte Dr. Pierrette Herzberger-Fofana vom Verein Forward e.V. auf, die sich besonders mit der Situation in Guinea und dem Senegal auskennt.

Und: Auch in Europa, auch in Deutschland ist dieses Problem mittlerweile aktuell, so spricht man in Deutschland von 6000 bedrohten Mädchen. Ida Hiller, Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg zieht allerdings aus ihrer Arbeit das Fazit: „Entweder ist die Genitalverstümmelung hier kein Thema oder absolutes Tabu“. Entsprechend sei auch zweifelhaft, ob und wie eine Sensibilisierung Sinn machen. Fälle von Eltern, die planen ihre Kinder in Heimatländer zu verbringen, sind jedoch bekannt, ebenso sind unter den PatientInnen in der Erlanger Frauenklinik jedes Jahr einige Frauen, die beschnitten sind.

Auch in Franken ist das Thema also aktuell und muss LehrerInnen, ÄrztInnen und anderen MultiplikatorInnen nahegebracht werden, um Mädchen zu schützen und betroffene Frauen medizinisch richtig zu behandeln.