HIV/AIDS – eine Krankheit teilt die Welt


07.08.2012
Anlässlich der Internationalen Aids Konferenz in Washington D.C. erklärt MdB Uwe Kekeritz:

Auf der diesjährigen Welt-Aids-Konferenz in Washington wurden die Erfolge im Kampf gegen die tödliche Epidemie gefeiert. Das Motto der Konferenz lautete „Turning the tide together – Das Blatt gemeinsam wenden“. Vor 10 Jahren hatten noch weniger als 300.000 Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern Zugang zu einer antiretroviralen Therapie und das bei fast 30 Mio. HIV-Infizierten. Die Zahl der Neuinfektionen ist in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent gesunken und belief sich in 2011 auf rund 2,5 Millionen. Auch die Zahl der Todesopfer hat sich innerhalb der letzten 6 Jahre um 24 Prozent verringert, 2011 gab es aber immer noch 1,7 Millionen Aids-Tote. Insgesamt leben momentan rund 34 Millionen Menschen mit dem Virus. Die sinkenden Zahlen täuschen aber nicht darüber hinweg, dass weiterhin die Hälfte der bedürftigen HIV-Infizierten keine Behandlung bekommt und sich täglich fast 1000 Babies mit dem Virus neu infizieren.

Die Erfolge im Kampf gegen die Epidemie sind ungleich verteilt. Während in den Industrienationen die meisten Patienten gut versorgt werden, haben die Betroffen in den Entwicklungs- und Schwellenländern kaum Zugang zu Versorgung. Nicht nur eine fehlende Infrastruktur und Versorgung oder entsprechende Aufklärung vor Ort sind schuld an dieser ungleichen Verteilung. Auch die hohen Preise für patentgeschützte Medikamente werden vielen Bedürftigen zum Verhängnis. Zwar ist eine Behandlung mit der ersten Generation von Aids-Medikamenten mittlerweile für 100 Dollar pro Jahr und Patient möglich, aber gerade die neuen Medikamente mit weniger Nebenwirkungen, vereinfachter Einnahme und geringer Resistenzbildung bleiben unerschwinglich. Der medizinische Fortschritt hilft also nur den Betroffenen in wenigen Ländern, statt weltweit zum Sieg über die Krankheit beizutragen. Hier fehlt es an politischem Willem und sozialer Verantwortung gegenüber den Ärmsten der Welt. Die WTO-Staaten verpflichteten sich 2001 in der Doha-Erklärung, die öffentliche Gesundheit zu schützen und den Zugang zu Medikamenten durch Schutzrechte im Handel zu fördern. Brasilien und Thailand haben beispielsweise durch Zwangslizenzen und Parallelimporte diese Ausnahmeregelung genutzt. Allerdings lassen sich die Schutzklauseln oftmals nur schwer durchsetzen. Hinzu kommt, dass vor allem durch bilaterale Freihandelsabkommen versucht wird, die Handlungsspielräume gravierend einzuschränken und verschärfte Regelungen in Bezug auf geistiges Eigentum durchzusetzen. Der Zugang zu Medikamenten darf aber kein Exklusivrecht sein, hier geht es nicht nur um internationale Versprechen, sondern auch um die Einhaltung von Menschenrechten.

Babys ohne HIV – eine aidsfreie Generation ist möglich
Die Bekämpfung der HIV/AIDS-Epidemie hat große Fortschritte gemacht. Und doch müssen die Anstrengungen verstärkt werden, besonders in Bezug auf die Mutter-Kind-Übertragung. 330 000 Kinder infizierten sich im Jahr 2011 mit dem HI-Virus neu. Insgesamt leben rund 3,4 Millionen Kinder mit dem Virus. Meist erfolgt die Ansteckung durch die Mutter am Ende der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen. Durch das schwache Immunsystem der Kinder sterben mehr als 90 Prozent der infizierten Kinder, über die Hälfte davon in den ersten zwei Lebensjahren. Durch die Gabe von antiretroviralen Medikamenten könnte das Übertragungsrisiko auf unter 2 Prozent gesenkt werden. Die Weltgemeinschaft hat sich verpflichtet bis 2015 die Mutter-Kind-Übertragung der Krankheit zu stoppen. Diese Lippenbekenntnisse müssen aber auch finanziell umgesetzt werden. Die Erfolge der letzten Jahre müssen zum Anlass genommen werden, noch mehr zu tun. Wir müssen heute investieren, um die Zukunft von morgen gestalten zu können!

Historische Chance erkennen und Anstrengungen erhöhen
Die Bundesregierung hatte im letzten Jahr immer wieder ihre Beiträge für den globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zurückgehalten und damit viel Vertrauen im Kampf gegen die Epidemie verspielt. Immerhin haben Proteste und Druck der Opposition Wirkung gezeigt. Die Gelder für den Fonds sind wieder in einem eigenen Titel eingestellt. Das reicht aber nicht. Deutschland muss seinen finanziellen Beitrag im Kampf gegen HIV/AIDS erhöhen. Die historische Chance zur Überwindung der Epidemie darf nicht vertan werden. Es sind also nach wie vor alle gefragt, im Kampf gegen diese verheerende Epidemie, der Überwindung der sozialen Spaltung der Welt, die sich gerade im Zugang zu Gesundheit widerspiegelt, und der Verwirklichung des Menschenrechts auf Gesundheit.