Haiti und der Hurrikan: Zerstörung mit Ansage, zögerliche Hilfe


28.10.2016
Haiti kommt nicht zur Ruhe. Der karibische Inselstaat ist nach dem verheerenden Erdbeben 2010, erneut von einer Naturkatastrophe heimgesucht worden.

Hurrikan „Matthew“ hat Anfang Oktober im Südwesten Haitis sowie in weiteren Landesteilen zu großen Zerstörungen und Überflutungen geführt. Insgesamt sind über 2 Millionen Menschen von dem Sturm betroffen und mind. 1,4 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe.

Die offizielle Zahl der Toten beträgt nach heutigem Stand 546, inoffizielle Zahlen sprechen allerdings von 1300 Toten. 350.000 Menschen sind obdachlos. Zusätzlich ist Cholera erneut auf Haiti ausgebrochen. Die Lage ist äußerst prekär. Haiti gehört zu den ärmsten Länder der Welt. Die Folgen des Erdbebens sind nach wie vor zu spüren. Umso härter trifft der Hurrikan nun die Menschen. Seit Wochen warten immer noch viele Haitianer auf Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente. Einige Gebiete sind derzeit nur aus der Luft erreichbar, da viele Straßen weggeschwemmt oder nach wie vor unpassierbar sind. Viele Ernten und Viehbestände wurden vernichtet und verschärfen die ohnehin schwierige Ernährungssituation dramatisch. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind auf den lokalen Märkten um mind. 50 Prozent gestiegen. Dabei hatte die Bevölkerung bereits vor dem Hurrikan schon mit einer Dürreperiode zu kämpfen. Auch der fehlende Zugang zu sauberem Wasser und katastrophale hygienische Bedingungen haben vor allem in der Provinz Grand‘Anse fatale Auswirkungen. Cholera und Zika-Virus bedrohen insbesondere verletzliche Gruppen wie etwa Schwangere und ihre ungeborenen Kinder.

Dass Hilfe dringend benötigt wird ist klar, nur wer diese und in welchem Umfang leisten wird, ist dagegen unklar. Nach Einschätzung von UN OCHA werden fast 120 Millionen US-Dollar für die unmittelbare Hilfe der nächsten 3 Monate benötigt, für die drohende Cholera-Epidemie bedarf es darüber hinaus zusätzliche Gelder in Höhe von 200 Millionen US-Dollar. Bislang wurden aber erst 33,4 Millionen US-Dollar zugesagt, also gerade mal ein Viertel der benötigten kurzfristigen Hilfsgelder. Auch die Bundesregierung hat bisher nur gut 2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Erschwerend kommt hinzu, dass die politische Lage im Land instabil ist. Die Wahlen um das Amt des Staatspräsidenten mussten in den vergangenen Monaten immer wieder verschoben werden, eine Übergangsregierung ist seit Februar im Amt.

In Erinnerung ist vielen noch die chaotische Lage nach dem Erdbeben, wo zwar unzählige Hilfsorganisationen ins Land kamen, aber aufgrund fehlender Koordination eine schnelle und effektive Hilfe konterkariert wurde. Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik der Grünen, betonte, dass man Haiti nicht vergessen dürfe. Die Bundesregierung muss ihre Zusagen deutlich erhöhen. Aber auch mittel-und langfristig, wenn das Medieninteresse schon längst abgeklungen sei, bräuchte das Land Unterstützung, um den Wiederaufbau zu erleichtern.

Besonders tragisch ist, dass die Katastrophe vorhersehbar war. Für eine Evakuierung fehlte es an Zeit und einem ausgefeilten Strategieplan, denn bislang ist weder ein effektives Frühwarnsystem noch ein Naturkatastrophenmanagement existent. Eine Katastrophe mit Ansage, eine Katastrophe mit tragischem Ausgang.