Gute Gründe für den „Veggie Day“


07.08.2013
Selbstverständlich wollen die Grünen niemandem vorschreiben, was er oder sie essen soll. Es geht nicht um ein Gesetz oder ein Verbot. Es geht um eine gesellschaftliche Debatte und um Bewusstseinsbildung.

Ein „Veggie-Day“ schützt das Klima, senkt den Flächenverbauch, vermindert die Massentierhaltung, trägt zu einer besseren Ernährungssituation weltweit bei und schadet niemandem.

Bereits bei vielen Menschen hat die gesellschaftliche Debatte über die Auswirkungen unseres Fleischkonsums und der Massentierhaltung zu einem Bewusstseinswandel und zu veränderten Essgewohnheiten geführt. Vegetarisches Essen oder fleischfreie Tage sind längst Normalität in vielen Familien, Restaurants und Kantinen.

Schon jetzt gibt es in gut 30 deutschen Städten einen solchen Veggie-Day. Bremen, Magdeburg, Schweinfurt, Wiesbaden, Deggendorf, Landkreis Rotenburg (Wümme), Klimainsel Juist, Bad Hersfeld, Freiburg, Hannover, Dinslaken, Düren, Köln, Münster, Karlsruhe, Bonn, Straubing, Ingolstadt, Marburg, Rottal-Inn, Paderborn, Leverkusen, Leer, Iserlohn, Bamberg, Mannheim, Göttingen, Weinheim und Aachen sind dabei.

Dort bieten möglichst viele kommunale Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und Kantinen an einem Tag der Woche ausschließlich oder überwiegend vegetarische Gerichte an. Solche Initiativen wollen wir unterstützen. Auch in der Mittagsverpflegung an Schulen sind fleischlose Mittagessen längst Normalität. Denn die Qualitätsstandards für die Schulverpflegung sehen nur zweimal pro Woche ein Fleischgericht vor.

Wir sind grundsätzlich der Meinung: Fleisch in Maßen statt in Massen ist der richtige Weg. Daher fordern wir in unserem Wahlprogramm, dass Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein „Veggie-Day“ in öffentlichen Kantinen zum Standard werden sollen.

Unsere Konsumentscheidungen prägen die Welt. Das zeigt sich besonders am Thema Fleischkonsum. Durchschnittlich isst jede und jeder Deutsche mehr als ein Kilogramm Fleisch pro Woche. Dies sind ungefähr doppelt so viel, wie Ernährungswissenschaftler empfehlen. Das geht nicht nur zu Lasten unserer Gesundheit, sondern bedeutet Massentierhaltung, gefährdet die weltweite Ernährungssicherheit und belastet Umwelt und Klima.

Die Welternährungsorganisation FAO geht davon aus, dass die Tierhaltung für 18 Prozent der globalen Treibhausgase und der damit verbundenen Klimaprobleme verantwortlich ist. Ein Drittel der Weltgetreideernte landet heute im Futtertrog und nicht auf dem Teller, gleichzeitig hungern 870 Millionen Menschen. Die Intensivtierhaltung ist damit zum Lebensmittelkonkurrenten des Menschen geworden.

Hoher Fleischkonsum und billige Fleischerzeugung führen dazu, dass Tiere nicht artgerecht gehalten werden. Sie werden auf engstem Raum ohne Auslauf zusammengepfercht. Schweine werden durch das Abschneiden der Ringelschwänzchen, Geflügel durch das Kürzen der Schnabelspitze routinemäßig an diese Haltungsbedingungen angepasst, da sie sich sonst gegenseitig verletzten würden. Antibiotika sind der Schmierstoff dieser Art der Tierhaltung. Laut Untersuchungen werden 83 Prozent aller untersuchten Geflügelbestände und 76 Prozent aller Schweinebestände mit Antibiotika behandelt. Ihr massiver Einsatz in der Tierhaltung gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung, denn Antibiotika für die Humanmedizin drohen aufgrund von Resistenzbildungen unwirksam zu werden.

Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass Verbraucheraufklärung zu den gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen unserer Ernährung generell und unseres Fleischkonsums im Besonderen verstärkt wird.

Dazu setzen wir auf Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Es geht nicht um Verbote, sondern um eine gesellschaftliche Debatte, die wir im Interesse unserer Gesundheit, im Interesse der artgerechten Tierhaltung, im Interesse von Umwelt und Klima sowie besonders im Interesse der hungernden und von Hunger bedrohten Menschen führen.