Gute Debatten bei der Konferenz „Nachhaltig Wirtschaften – Bayerns Wirtschaft in globaler Verantwortung“


21.09.2012
Adidas, Bosch-Siemens Hausgeräte, Novartis, Audi, der Verband der bayerischen Wirtschaft, die Kampagne für Saubere Kleidung, das Eine Welt Netzwerk Bayern, das Netzwerk für Unternehmensverantwortung und über 80 Gäste diskutierten mit Uwe Kekeritz über Wege zu neuem Wirtschaften in globaler Verantwortung.

Die Schlagzeilen über katastrophale Arbeitsbedingungen in der globalen Zulieferkette reißen nicht ab. Mitte September starben bei einem Brand im pakistanischen Karatschi mehr als hundert Menschen – Notausgänge? Fehlanzeige. Auch die Handelskette kik ließ dort produzieren. Wenige Wochen vor dem Vorfall hatte der Konzern noch beteuert weltweit Arbeits- und Sozialstandrads hoch zu halten. Nicht besser sieht es bei Foxconn aus. Im Werk in dem das neue IPhone 5 produziert wird, herrschen desaströse Arbeitsbedingungen die am vergangenen Wochenende zu Krawallen mit Beteiligung von etwa 2000 Beschäftigten führten. Auslöser soll ein Streit zwischen einem Arbeiter und einem Wachmann gewesen sein. Der Arbeiter hatte sich über die Behandlung durch das Management und das Wachpersonal beschwert. Laut NGOs gehört Gewalt gegen ArbeiterInnen bei Foxconn geradezu zur Unternehmenskultur.

Auch die bayerische Wirtschaft ist weltweit vernetzt und auf die Produkte aus der globalen Lieferkette angewiesen. In unseren Produkten steckt die Arbeit von vielen Männern, Frauen und leider zum Teil auch Kindern in Bangladesh, China, El Salvador, Indien oder Pakistan. Die Weltwirtschaft hat sich globalisiert, darum müssen global agierende Unternehmen nun auch weltweit Verantwortung übernehmen.

Viele bayerische Unternehmen folgten der Einladung von Christine Kamm, MdL, Barbara Lochbihler, MdEP und Uwe Kekeritz, MdB und kamen am vergangenen Freitag in den bayerischen Landtag um sich den Fragen der eingeladenen Zivilgesellschaft und von uns Grünen zu stellen. Zunächst standen die neuen Initiativen der EU-Kommission im Mittelpunkt, die mehr Verpflichtung bei der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards aber vor allem Offenlegungspflichten für mehr Transparenz vorsehen. Die Bundesregierung ist hier der Bremsklotz in Europa. Auch die eingeladenen Unternehmen stellten sich gegen den Vorschlag der Kommission für mehr verpflichtende Transparenz. Sie plädierten mehrheitlich für Fortschritt auf freiwilliger Basis. Gerade die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) betonte die Erfolge freiwilligen Engagements und warnte vor Misstrauen den Unternehmen gegenüber. Volkmar Lübke vom Netzwerk für Unternehmensverantwortung zeigte dagegen die Notwendigkeit auf, für bessere verpflichtende Standards zu sorgen. Gerade für fortschrittliche Unternehmen, die hohe Standards ansetzten sei es eine unschätzbare Unterstützung, wenn für alle gleiche Mindeststandards eingezogen würden um ein so genanntes „level playing field“, ein ebenes Spielfeld, gleiche Bedingungen für alle zu schaffen.

Es folgte ein kurzer Disput zwischen Frank Henke von Adidas und Christine Schnura von der Kampagne für saubere Kleidung. Henke wies direkt zu Beginn darauf hin, dass er sich vielmehr einen Diskurs als einen Disput wünsche. Trotzdem wurde kontrovers debattiert – vor allem um die Angemessenheit von Löhnen, die Adidas in Produktionsstätten weltweit zahlt. Während Herr Henke betonte dass Adidas immer den Mindestlohn des jeweiligen Landes zahle, verlangte Schnura einen Lohn von dem die ArbeiterInnen auch leben könnten, unabhängig von den jeweiligen Mindestlöhnen die häufig deutlich unter dem Existenzminimum lägen.

In den drei Arbeitsgruppen ging es zum einen erneut um die Frage von Freiwilligkeit und verpflichtenden Maßnahmen. Daneben wurde die Frage gestellt in wie weit verantwortliches Wirtschaften schon ins Kerngeschäft der Unternehmen Einzug gehalten hat oder ob vielmehr auf schöne Vorzeigeprojekte gesetzt wird. Drittens ging es darum wie sich in einem globalen Netz an Zulieferern eine Zertifizierung von Produkten noch praktisch umsetzen lässt.

Das Fazit von Uwe Kekeritz viel am Ende positiv, wenn auch verhalten aus. Dass sich so viele namhafte Unternehmen der Verantwortung gestellt haben sei ein großer Erfolg und ein guter Schritt voran. „Diese kritische Auseinandersetzung müssen wir fortsetzen“, betonte Kekeritz. Bei den Grundfragen seien jedoch nach wie vor große Differenzen zu überwinden. „Eine sozial-ökologische Marktwirtschaft braucht klare Regeln, auch wenn sie zu einer globalen Marktwirtschaft wird“, so Kekeritz. An dieser Stelle müssten die vorliegenden Konzept der EU-Kommission nun weiter verfolgt und kräftig unterstütz werden. „Dafür braucht es starke Grüne, die die Bremserin Merkel nicht aus der Verantwortung lassen“. Außerdem sei klar, so Kekeritz, „dass ein offener Dialog mit den Unternehmen einen Unterschied machen kann. Für unsere Wirtschaft hier in Bayern und für mehr Gerechtigkeit auf der Welt!“

Und hier das gesamte Programm zum Nachlesen:

Flyer_Nachhaltig_Wirtschaften_Bayerns_Wirtschaft_in_globaler_Verantwortung



Weiterführende Links:


Bericht der bayerischen Landtagsfraktion über die Konferenz Video mit Stimmen von der Konferenz