Gute Arbeit – guter Lohn: Warum ist das so schwer?


27.10.2012
Die Berlinfahrt von Uwe Kekeritz beschäftigte sich mit sozialer Gerechtigkeit für Alle.

Von Aristoteles bis Martha Nussbaum: PhilosophInnen ringen seit Jahrhunderten um das Thema Gerechtigkeit. Und auch auf der Berlinfahrt von Uwe Kekeritz wurde über den Wert von Arbeit und eine menschenwürdige Existenzsicherung diskutiert. Betroffenheit? Männer sind nicht von der Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern betroffen, Rentnerinnen bekommen Altersarmut vielleicht durch ihre Versorgungsehe weniger zu spüren und Erwerbstätige müssen sich (noch) nicht mit Hartz IV befassen. Wie gerecht unser Land ist, geht jedoch alle an.

„Ich finde es unsäglich, dass die Worte „hartzen“ oder „auf Hartz IV“ so negativ besetzt verwendet werden“, berichtete Frank Steger von der Berliner Arbeitsloseninitiative. Steger kritisierte die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Regierungszeit und brachte den Menschen aus Franken die Berliner Perspektive nahe. „Auf über 200.000 Arbeitssuchende kommen 17.000 offene Stellen, da kann man doch nicht mehr davon sprechen, dass jeder seines Glückes Schmied ist“, machte Steger deutlich. Obwohl Berlin als Hauptstadt der Arbeitslosigkeit und der geringfügigen Beschäftigung gilt, konnten die TeilnehmerInnen seine Anschauungen aus eigener Erfahrung bestätigen. Wirklich wütend macht Steger, dass die überwiegende Mehrheit der Hartz IV-EmpfängerInnen Arbeit hat, aber davon nicht leben kann.

Gesundheit für Alle

Ein ganz anderes Problem haben Frauen in Gesundheitsberufen. „In dieser wachsenden Branche sind mehr Personen als in der Maschinenbauindustrie beschäftigt: Allein die Wertschätzung und die ordentliche Bezahlung für ihre Arbeit fehlt noch“, erläuterte Christel Riedel von ‚Business and Professional Woman“. Der Verband will 2013 schwerpunktmäßig auf diesen Missstand aufmerksam machen. Jedes Jahr wird der „Equal Pay Day“ begangen, der Tag bis zu dem Frauen arbeiten müssen, um die statistische durchschnittliche Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aufzuholen. Einige Teilnehmer beschwerten sich bei Frau Riedel, dass auch Männer Opfer von schlecht bezahlter Leiharbeit würden. Riedel bot ihnen an, gemeinsam für eine ordentliche Bezahlung zu kämpfen und selbstverständlich auch für gleichen Lohn für LeiharbeiterInnen.

Nebeneinkünfte für Alle?

Einen Lohn, eine „Entschädigung“ sollen nach Meinung der CSU die Eltern bekommen, die ihr Kind nicht von einer staatlichen Einrichtung betreuen lassen. Ganz zeitnah konnte die Gruppe die Plenumsdebatte zu diesem Thema mit verfolgen.

Im Paul-Löbe Haus traf die Gruppe dann auf ihren Gastgeber Uwe Kekeritz. Kekeritz knüpfte gleich an die aktuelle Debatte über Nebeneinkünfte an: „Ich fordere eine Offenlegung aller Einkünfte auf Euro und Cent oder wenigstens eine Ausdifferenzierung des derzeitigen Modells“. Er selbst verdiene 0 Cent nebenbei. Derzeit müssen Nebeneinkünfte über 7000 Euro nicht genau beziffert werden. Mittlerweile liegt ein Gesetzentwurf über ein 10-Stufen Modell vor: Grüne Forderungen sind also zumindest teilweise berücksichtigt. Anders verhält es sich mit dem geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz. Kekeritz kritisierte das „Stillhalteabkommen“, das die Verfolgung von krimineller Steuerhinterziehung in Zukunft unmöglich mache. Höchstwahrscheinlich werde das Gesetz die Zustimmung des Bundesrates nicht erhalten.

Weltweite Gerechtigkeit

Nach der Deutschlandpolitik richtete die Gruppe ihren Blick auch auf weltweite Gerechtigkeit. Wie viel ist das Nähen einer Jeans in Bangladesch wert? Können wir über unser Konsumverhalten etwas ausrichten und ist Fair Trade die Lösung? Bernd Hinzmann vertrat die Organisation Inkota, die seit 40 Jahren für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen weltweit streitet. Hinzmann sah bewussten Konsum und die Second-Hand Verwertung von Klamotten als Weg. Gleichzeitig müsse aber auch jede Verbraucherin und jeder Verbraucher politisch tätig werden und sich bei den Unternehmen beschweren. Auch Inkota gehe den beschwerlichen Weg des Dialogs mit den Firmen. Ein Teil der Mittel für die Arbeit der NGO kommt vom Bundeswirtschaftsministerium, was manchmal zu Konflikten führe. „Leider haben wir auch schon Zensur für angeblich zu wirtschaftskritische Aussagen erlebt“, berichtete Hinzmann. Er forderte alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, an der Aktion für „Saubere Kleidung“ teilzunehmen und die eigene Stimme zu erheben. Mit diesem Appell im Ohr fuhr die Gruppe informiert aber auch geschafft zurück in den Wahlkreis.