Gesundheit global. Bildungsreise nach Berlin vom 23. bis 25.09.2015


30.09.2015
„Gesundheit global“ war der Leitgedanke der Bildungsreise, zu der Uwe Kekeritz haupt- und ehrenamtliche der Alten- und Krankenpflege sowie weitere Interessierte eingeladen hatte. Auf dem Programm standen Diskussionen im Bundesministerium für Gesundheit, mit der „Diakonie Katastrophenhilfen“, mit „Ärzte ohne Grenzen“ sowie mit Uwe Kekeritz.

Gesundheitsministerium: Pflege weniger bürokratisch?!
Einfacher und unbürokratischer soll die Dokumentation der Pflege werden, indem Selbstverständliches und Reguläres nicht mehr aufgeschrieben werden muss, versprachen Peggy Reime und Cornelia Reitberger beim Besuch Gesundheitsministerium den Teilnehmer*innen. Außerdem erläuterten sie, dass das neue Pflegestärkungsgesetz (PSG) Pflegegrade statt Pflegestufen vorsehe. Künftig soll jeweils ermittelt werden wie selbstständig ein*e Patient*in ist und nicht mehr pauschal wie viele Minuten die Pflegenden zu brauchen haben.

Man darf gespannt sein, ob sich dadurch Verbesserungen für die Patent*innen ergeben. Zumal sich aktuell die Einstufung schwierig gestalte, berichteten Teilnehmer*innen aus häuslichen Alten- und Krankenpflege. So würden bei ihnen vor Ort 80 Prozent der Anträge erst einmal vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) abgelehnt. Ein neuer Antrag, vier Wochen später würde dann in der Regel genehmigt. Der Verdacht dränge sich auf, dass der MDK auf Kosten der Patient*innen Geld sparen wolle, nicht zuletzt weil etliche Patent*innen oder pflegende Angehörige aufgäben.

Diakonie Katastrophenhilfe: Helfer*innen in der Not
Eine der vier großen deutschen Hilfsorganisationen ist die Diakonie Katastrophenhilfe. Sie leiste neben Soforthilfe und Wiederaufbau auch Katastrophenvorsorge. Dabei agiert sie neutral, das heißt sie hilft unabhängig von der Religionszugehörigkeit und fördert die Versöhnung zwischen Konfliktparteien, wie Stefan Libisch erläuterte.

Zuletzt war die Diakonie Katastrophenhilfe besonders bei der Erdbebenkatastrophe in Nepal und bei der Ebola-Epidemie in Westafrika gefordert. Gemeinsam mit Brot für die Welt gelang es, durch Aufklärungsprogramme mit dazu beizutragen, dass Ebola-Epidemie gestoppt werden konnte. Aktuell hilft die Diakonie Katastrophenhilfe auch Menschen auf der Flucht, zum Beispiel indem sie Notfall-Sets mit Essen und Hygieneartikeln verteilt.

Globale Gerechtigkeit der Schlüssel zu globaler Gesundheit
„Funktionierende Sozial- und Gesundheitssysteme in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern beugen Katastrophen wie der Ebola-Epidemie vor und tragen zu wesentlich einer nachhaltigen Entwicklung bei“, erklärte Uwe Kekeritz.

Entwicklungspolitik fängt bei uns, in den reichen Ländern an, da wir auf Kosten des globalen Südens leben. Zum Beispiel exportieren wir Hühnchenreste aus hochsubventionierter Agrarindustrie nach Westafrika. Dort können die Bauern mit den Dumpingpreisen nicht mehr mithalten und stürzen in Armut.

„Dieses absurde Schauspiel müssen wir beenden. Wir müssen endliche faire internationale Handelsbeziehungen schaffen, wir müssen Steuerhinterziehung und -vermeidung, die vor allem die sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländer trifft, unterbinden und wir müssen dafür sorgen, dass Wertschöpfung in den Ländern des Südens stattfindet, damit die Menschen dort ein existenzsicherndes Einkommen haben. Der Schlüssel dafür liegt bei uns. Wir müssen unsere Politik ändern“, so Kekeritz.

Ärzte ohne Grenzen: Medikamente für alle
Auch „Ärzte ohne Grenzen“ fordert funktionierende Gesundheitssysteme für sogenannte Schwellen- und Entwicklungsländer. Denn die Frage von Leben und Tod dürfe keine Frage des Geldbeutels sein, so Meike Schwarz. Dementsprechend engagiert sich „Ärzte ohne Grenzen“ mit der Medikamentenkampagne für einen kostengünstigen Zugang zu Medikamenten sowie für die Forschung zu vernachlässigten Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria und HIV/Aids.

War Indien bislang die „Apotheke der Armen“, weil dort viele günstige Nachahmerpräparate, sogenannte Generika hergestellt wurden, muss das Land seit 2005 Patentschutz für Medikamente gewähren, wie es die WTO und diverse Handelsabkommen verlangen. Dem gilt es entgegen zu wirken.



Weiterführende Links:


Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung zur neuen Pflegedokumentation
Diakonie Katastrophenhilfe
Ärzte ohne Grenzen