Faire Milch hilft Kamerun


06.05.2013
Was hat der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) mit den Getreidepreisen in Kamerun zu tun? Regionale Milchwirtschaft stärkt auch den fairen Handel mit Entwicklungsländern. Uwe Kekeritz ist begeistert, als er bei seinem Vortrag in Eichstätt die schwarz-rot-goldene Milchkuh des BDM erblickt: „Die hab ich auch schon in Kamerun gesehen.“ Dort ist sie ein Zeichen gegen die großen Agrarkonzerne. Heute steht sie in Eichstätt.

„Die faire Milch soll langfristig kostendeckende Milchpreise ohne Subventionen ermöglichen“, erklärt Hans Templer vom BDM. Damit stärkt sie die Milchbauern in der Region. Aber auch die Bedingungen für fairen Handel mit Entwicklungsländern werden dadurch verbessert. Uwe Kekeritz erklärt warum: „Anfang der 60er Jahre hat Afrika noch Getreide exportiert, heute muss es 25 Prozent seiner Lebensmittel importieren.“

Der Grund liege in der verfehlten Entwicklungspolitik der USA und Europas, die mit ihren Subventionsprogrammen den Weltmarktpreis für Lebensmittel drücken. Damit können sie Entwicklungsländern zwar billiges Getreide anbieten, graben aber der regionalen Landwirtschaft sprichwörtlich das Wasser ab. „Staaten, die früher Selbsternährer waren, sind heute abhängig vom Weltmarkt“, so Kekeritz. Die Subventionspolitik müsse daher zurückgefahren, regionale Landwirtschaft gestärkt werden.

Verbände wie der BDM zeigen, dass es funktioniert. „Die Leute kaufen unsere Milch für einen Euro“, sagt Rupert Schneider, Milchbauer aus Petersbuch. Die alte Mär, dass die VerbraucherInnen immer nur das Billigste kaufen, sei bei der fairen Milch schon längst passé.

Mit fairen Preisen werde auch die Subventionierung hinfällig. Das entlastet nicht nur die SteuerzahlerInnen, sondern bahnt auch den Weg zu fairen Handelsbedingungen auf dem Weltmarkt. Entwicklungsländer sind immer weniger auf billige Importe aus dem Westen angewiesen und damit konkurrenzfähiger. So könnten sie verstärkt ihre eigenen, regional hergestellten Produkte anbieten.

Mit Fairtrade-Produkten auf dem europäischen Markt ist bereits ein Anfang gemacht. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 400 Mio. Euro für fair gehandelte Waren ausgegeben, das entspricht etwa 5 Euro pro Kopf. „Das ist noch sehr wenig“, meint Uwe Kekeritz, aber die Entwicklung stimme ihn positiv: „Wir haben eine Steigerungsrate von 15 bis 25 Prozent jährlich.“

Kleine Schritte – große Veränderungen
Fairer Handel fange eben klein an, habe aber große Wirkung. Die besten Voraussetzungen finden sich direkt vor der eigenen Haustür. Privatleute und die öffentliche Hand sollten auf regionale AnbieterInnen setzen, zum Beispiel den Schreiner vor Ort statt den Großlieferanten. Was auf den ersten Blick kostspieliger aussehe, ist global betrachtet die günstigere Lösung. Lange Lieferwege, Subventionskosten etc. werden eingespart, „Nicht zuletzt kann der Schreiner vor Ort seine Schublade schnell reparieren, wenn sie klemmt.“

Viele kleine Schritte vor Ort können große Veränderungen in der globalen Wirtschaft bewirken. Das ist der Ansatz, der hinter der Fairen Kommune steckt. Auch in Eichstätt treten verschiedene Initiativen wie zum Beispiel der Eine-Welt-Laden für faire Beschaffung ein.

Allerdings hat die Stadt noch nicht alle Kriterien einer Fairtrade Town erfüllt. Das liegt daran, dass auch im kommunalen Sektor Profitinteressen im Vordergrund stehen. „Für unser Blockheizkraftwerk bezieht die Stadt Holz aus dem bayerischen Wald, obwohl die Waldbauern in Eichstätt genug eigenes Holz hätten“, sagt Manuela Knipp-Lillich, die für die Grünen im Stadtrat sitzt.

Auch Hans Templer, Rupert Schneider und die Vertreter des BDM Eichstätt sehen noch Verbesserungsbedarf, was die regionale Milchwirtschaft betrifft: Die Großmolkereien drücken die Preise, der Marktanteil der fairen Milch liege derzeit bei einem Prozent. Uwe Kekeritz sieht die Entwicklung dennoch positiv. Der Weg zur Fairen Kommune beginne mit kleinen Schritten, einem langsamen Umsteuern zu mehr regionalem und biologischem Anbau und der Zusammenarbeit vieler lokaler Initiativen. „Ich bewundere die Leute, die vor 30 Jahren die ersten Fairtrade-Produkte gehandelt haben“, meint der Bundestagsabgeordnete. Damals hätte noch keiner geglaubt, dass das funktioniert. Heute weiß Uwe Kekeritz, dass sie auf dem richtigen Weg waren.