Fair-nünftig schenken: öko + fair


11.12.2013
In zwei Wochen werden in deutschen Wohnzimmern wieder Millionen Geschenke unter den geschmückten Weihnachtbäumen liegen. Liebevoll verpackt und sorgfältig ausgesucht sollen sie den Lieben eine Freude machen. In Vergessenheit gerät dabei jedoch schnell, unter welch miserablen und teils ausbeuterischen Arbeitsbedingungen viele Produkte hergestellt wurden.

Auf Geschenke muss deshalb jedoch keineswegs verzichtet werden, denn der Markt bietet genügend Möglichkeiten zum fairen Weihnachtseinkauf. Wir haben eine kleine Übersicht zusammengestellt.

Als Weihnachtsgeschenke für die Kleinen erfreuen sich naturgemäß Spielzeugegroßer Beliebtheit. Hier ist zum einen wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Produktion und zum anderen auch zum Wohl der Kinder Vorsicht geboten: Laut Stiftung Warentest enthielten 80 Prozent der getesteten Spielzeuge gesundheitsgefährdende, krebserregende Schadstoffe. Dies galt nicht nur für Plastik- sondern ebenso für Holzspielzeug. Die EU-Richtlinien sind in diesem Zusammenhang völlig unzureichend.

Darüber hinaus müssen andere für das Spielzeug, das bei uns unter dem Weihnachtsbaum landet, zu menschenunwürdigen Konditionen arbeiten: In asiatischen Spielzeugfabriken schuften die ArbeiternehmerInnen häufig bis zu 70 Stunden die Woche – und das für eine miserable Bezahlung, die sogar den gesetzlichen Mindestlohn unterschreitet. Eine endlose Liste an Verstößen gegen ArbeitnehmerInnenrechte ließe sich fortsetzen. Unter www.fair-spielt.de undwww.bluepingu.de gibt es Infos, um sichergehen zu könnt, dass nicht andere für unsere Weihnachtsgeschenke leiden mussten.

Im Gegensatz zu Spielzeug, ist Schokolade in der Weihnachtszeit nicht nur bei Kindern, sondern ebenso bei Erwachsenen beliebt. Auch hier täuscht die schöne Verpackung darüber hinweg, dass hinter einer Tafel Schokolade häufig Schwerstarbeit steckt, die unzureichend bezahlt ist und zudem die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen gefährdet. Besonders perfide ist, dass ausbeuterische Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen keine Seltenheit sind. Darüber hinaus leidet auch die Umwelt unter den ausgelaugten Böden, der Wasserverschmutzung durch chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger, sowie der Waldrodung durch Ausdehnung der Anbauflächen. Positiv kann vermerkt werden, dass die Branche beginnt auf nachhaltigen Anbau umzusteigen: Denn wenn sich nichts ändert, könnte Kakao eines der ersten Produkte sein, das unserer Konsumgesellschaft zum Opfer fällt. Bei Schokolade gilt es im Supermarktregal nicht nach der günstigsten zu greifen, sondern auf ein Siegel zu achten. Eine hilfreiche Übersicht über Schokolade und Siegel hat Greenpeace zusammengestellt (http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5765).

Auch Kleidung ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Leider werden die Unternehmen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lassen, im Weihnachtskonsumrausch nicht unbedingt abgestraft. Das liegt nicht zuletzt an der Intransparenz des Marktes und an der mangelnden Medienaufmerksamkeit, die immer nur ansteigt, wenn sich eine Katastrophe ereignet. Die Unfälle in den bangladeschischen Fabriken Rana-Plaza, und Tazreen in diesem Jahr dürfen jedoch noch einigen im Gedächtnis geblieben sein. Unter anderem Benetton, Manga und NKD bezogen Waren aus diesen Fabriken und verstießen somit gegen grundsätzliche Prinzipien der Unternehmensverantwortung. Doch auch andere Unternehmen in der Textilindustrie kennen keine Skrupel und nehmen ausbeuterische Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferfabriken für die Maximierung ihres Profits in Kauf. In diesem Fall bewegte der Druck der Öffentlichkeit die Unternehmen zumindest dazu ein Brandschutzabkommen zu unterzeichnen – das mag ein überfällig und längt nicht ausreichender Schritt sein, aber er zeigt dennoch, dass Konsumenten einen Einfluss auf Unternehmen haben können. Der Konsument hat es zugegeben nicht einfach, wenn er mit gutem Gewissen Kleidung kaufen möchte. Sogar die großen Modeketten werben mittlerweile mit Bio-Baumwolle – das mag sich gut anhören und ökologisch lobenswert sein, muss jedoch noch lange nicht heißen, dass die Ware auch zu Fair-Trade-Bedingungen gehandelt wurde.

Webseiten wie der Future Fashion Guide (http://www.futurefashionguide.com/) helfen dabei, Geschäfte, Onlineshops und Labels zu finden die eine ethische Produktion der Waren garantieren. Die Website von modeaFAIRe (http://www.modeaffaire.de/einkaufen/shops/) bietet eine Übersicht über Geschäfte nach Städten sortiert. Wer ein bisschen Zeit in die Internetrecherche investiert, findet schnell NGOs und andere Initiativen die sich mit dem Thema auseinandersetzen und wie beispielsweise Romero Unternehmen auf den Verdacht des Greenwashings überprüfen (http://www.ci-romero.de/de/gruenemode/).

Zwei Wochen vor Weihnachten, läuft der Weihnachtshandel auf Hochtouren. Dabei gilt es sich zu informieren und das eigene Konsumverhalten gründlich zu überdenken. Vielleicht kann man anstatt zahlreiche billige, lieber wenige, aber dafür sozial und ökologische verträgliche Produkte verschenken? Siegel geben Orientierung und bieten trotz all ihrer Schwächen eine wichtige Hilfestellung für den Konsumenten. Seiten wie www.oeko-fair-de und www.label-online.de bemühen sich um mehr Markttransparenz und sind einen Besuch wert.

Wer keine Lust auf Internetrecherchen hat, kann natürlich ebenso in einem bewährten Eine-Welt-Laden einkaufen. Und vielleicht freut sich der Beschenkte ja sogar genau so sehr über ein hochwertiges Second-Hand-Produkt? Auch unkonventionelle Geschenke können eine große Freude machen: So bieten NGOs wie Oxfam (http://www.oxfam.de/spenden/unverpackt) und die Welthungerhilfe (http://shop.welthungerhilfe.de/?wc=XXGOFM4000&gclid=CL6shbG3qLsCFUFd3godWU4ADQ) an, dass man mit seiner Spende einer Familie in einem Entwicklungsland ein konkretes Nutztier (z.B. eine Ziege) schenkt. So kann man dem Liebsten, der eigentlich schon alles hat, eine gute Tat schenken. Das kann in einer Gesellschaft wie unserer, in der der Konsum überhand genommen hat und viele im Überfluss leben, eine größere Bereicherung sein, als den eigenen materiellen Besitz an jedem Weihnachtsfest weiter anzuhäufen.