Fachgespräch Seuchenprävention


14.04.2016
„Vom Krisenmanagement zur Krisenvermeidung: Wie wir künftige Seuchen verhindern“ – unter diesem Titel lud Uwe Kekeritz am Montag, 10. April, zum Fachgespräch in den Deutschen Bundestag ein. Gemeinsam wurde diskutiert, wie die Weltgemeinschaft künftige Epidemien verhindern und das Menschenrecht auf Gesundheit für alle Menschen verwirklichen kann

In seiner Begrüßungsrede lieferte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Frithjof Schmidt, eine kritische Bestandsaufnahme zu den Konsequenzen aus der Ebola-Epidemie: Trotz etlicher Treffen und Ankündigungen auf internationaler Ebene ist die Weltgemeinschaft heute nicht besser vor einer weiteren Gesundheitskatastrophe gewappnet. Statt einer kohärenten Umsetzung der angekündigten Maßnahmen präge Freiwilligkeit, Beliebigkeit, fehlender politischer Wille sowie fehlende finanzielle Ressourcen das Bild.

Uwe Kekeritz stimmte dieser Einschätzung zu: „Die Ebola-Katastrophe im vergangenen Jahr hat deutlich gezeigt, wie wichtig eine enge internationale Abstimmung und vor allem der Aufbau von Gesundheitssystemen sind. Es braucht Prävention statt Symptombekämpfung.“

Paradoxe Haltung gegenüber der Weltgesundheitsorganisation

Peter Sand, Chef der Kommission „Global Health Risk Framework for the Future“ diagnostizierte, dass die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) trotz wiederholter Ankündigungen, die notwendigen Strukturen zu schaffen, weiterhin chronisch unterfinanziert und strukturell defizitär sei. Die weltweite Verknüpfung zwischen den unterschiedlichen Ebenen fehle ebenso wie klare Regelungen der Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren.

Auch Daniel Lopez-Acuna, Berater der WHO betonte, dass finanzielle und personelle Aufstockungen nötig seien, damit die WHO ihre Rolle als Hüterin des gesundheitlichen Wohlergehens aller Menschen wahrnehmen könne.

Dr. Volker Westerbarkey, Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, veranschaulichte den dringenden Handlungsbedarf in der Globalen Gesundheitspolitik mit Berichten von seiner Organisation, die im Kampf gegen die Ebola-Epidemie an ihre Grenzen geriet.

Zeit für Taten – Recht auf Gesundheit durch stabile Gesundheitssysteme umsetzen

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde Deutschlands Beitrag zur Gesundheitssystemförderung als integraler Bestandteil einer nachhaltigen internationalen Strukturpolitik näher beleuchtet: Professor Albrecht Jahn von der Universität Heidelberg, Thomas Gebauer von medico international und die Ärztin und Direktorin des Deutschen Institut für Ärztliche Mission Dr. Gisela Schneider lieferten ein umfassendes Bild darüber, welche Schlüsse aus der Ebola-Krise gezogen und welche Prioritäten dringend gesetzt werden müssen.

Professor Jahn deutete Ebola als Ausdruck einer Gesundheitssystemkrise, in der deutlich wurde, in welchem prekären Zustand lokale Gesundheitssysteme durch das Wegfallen von Leistungen der Basisgesundheitsversorgung sind. Für eine nachhaltige Stärkung von Gesundheitssystemen seien langfristige und zuverlässige Finanzierung, die Förderung von Forschung zu globalen Gesundheitsthemen, der Aufbau und die Sicherung lokaler Kapazitäten und ein Umdenken weg von krankheitsbezogener Finanzierung hin zu einer allgemeinen globalen Gesundheitsversorgung notwendig.

Thomas Gebauer rief in diesem Sinne dazu auf, auch soziale Faktoren wie Hunger und Armut stärker in den Fokus zu nehmen. Der Einsatz gegen die strukturellen Ursachen von Krankheiten müsse auch jenseits des Gesundheitssektors geführt werden, etwa über verbesserte Wasserversorgung, nachhaltiger An- und Abbbaumethoden sowie den Schutz von Landrechten.

Zum Abschluss legte Gisela Schneider besonderes Augenmerk auf die Rolle von lokalen und regionalen Akteur*innen. Der Einsatz lokaler Gesundheitsfachkräfte gegen Ebola sei beispielhaft gewesen. Die Stärkung lokaler Kapazitäten sei notwendig, um auch nach dem Abzug der internationalen humanitären Hilfe, die Situation nachhaltig zu verbessern.

Auch für Uwe Kekeritz steht fest: „Mit Ebola ist einmal mehr deutlich geworden, dass globale Gesundheitspolitik nicht nur den Aufbau einer kurzfristigen medizinischen Eingreiftruppe braucht, sondern ganz im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsagenda eine umfassende und internationale Strukturpolitik! Die Bundesregierung muss ihren Worten nun endlich Taten folgen lassen und die strukturellen Ursachen von Armut und Krankheit beseitigen: Zentral sind hierbei die Unterstützung von verpflichtenden internationalen Finanzierungssystemen, der Aufbau gerechter Steuer- und öffentlicher sozialer Sicherungssysteme sowie faire Handelsbeziehungen!“