Erdbeben, Wirbelstürme, Hochwasser – fehlende Gesundheits- und soziale Sicherungssysteme wirken als Brandbeschleuniger


14.03.2014
Uwe Kekeritz diskutierte zusammen mit Experten auf dem internationalen Kongress Armut und Gesundheit den neuesten Weltrisikobericht mit seinem Schwerpunkt der Gesundheitsversorgung. Denn das Ausmaß der Schäden, die durch Naturkatastrophen entstehen, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Versorgung in Krisen- und Katastrophensituationen funktioniert.

Ein Erdbeben, bei dem in Deutschland nur die Gläser im Schrank wackeln würden, kann in anderen Weltregionen weit gravierendere Ausmaße haben: Häuser sind weniger stabil gebaut und können Naturereignissen nicht standhalten. Und weil es kein vernünftiges Abwassersystem gibt, kann Trinkwasser verunreinigt werden und Krankheiten wie Cholera breiten sich aus.

Die risikoreichsten Regionen der Welt sind bekannt – warum also Katastrophen nicht vorbeugen?

Der jährlich veröffentlichte Weltrisikobericht thematisiert den Zusammenhang zwischen Naturkatastrophen und der Verwundbarkeit der Bevölkerung. Im neuesten Weltrisikobericht lag der Schwerpunkt auf dem Aspekt Gesundheitsversorgung. Das Ausmaß der Schäden, die durch Naturkatastrophen entstehen, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Versorgung in Krisen- und Katastrophensituationen funktioniert. Das Fehlen sozialer Sicherungssysteme und einer ausreichenden medizinischen Versorgung wird in Katastrophensituationen oftmals zum Brandbeschleuniger und vervielfacht das Leid der Menschen. Gerade Kinder, Frauen, ethnische Minderheiten, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder aus nicht privilegierten Schichten sind besonders verwundbar. Was kann und muss getan werden, um die Verwundbarkeit dieser Menschen zu verringern? Wie kann man verhindern, dass extreme Naturereignisse zu humanitären Katastrophen führen? Im Rahmen des Kongresses Armut und Gesundheit diskutierte Uwe Kekeritz am vergangenen Donnerstag zusammen mit Medico über diese Fragen.

„Medien und Politik reagieren leider oft erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist“, so Kekeritz. Der Weltrisikobericht zeigt: Die Länder, in denen Menschen unter einem besonders großen Risiko leben, sind bekannt. Hier kann man anstatt auf Katastrophenhilfe auf Katastrophenprävention setzen. Nothilfe und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit müssen zusammen gedacht und miteinander verknüpft werden. Korruptionsbekämpfung spielt außerdem eine entscheidende Rolle, denn nach wie vor ist Korruption eine der Hauptursachen, warum Entwicklung nicht bei der breiten Bevölkerung ankommt.

Aufbau von Gesundheits- und sozialen Sicherungssystemen!

Der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen betonte, dass zwischen schlechter Gesundheit und Armut ein Teufelskreis bestehe. Beide bedingen sich gegenseitig. Der Aufbau und Ausbau von sozialen Sicherungssystemen sei deshalb ein zentraler Baustein.

Menschen in Entwicklungsländern vereinen 92% der weltweiten Krankheitslast auf sich, verfügen aber nur über 16% der globalen Ausgaben für Gesundheit. Weltweit haben 80% der Menschen keine soziale Absicherung. Vor allem in Krisensituationen wird ihnen das zum Verhängnis. In vielen Entwicklungsländern müssen die Menschen selbst für die Kosten von Arzneimitteln, Behandlung und Transport aufkommen. Jährlich gleiten laut WHO 100 Mio. Menschen in die Armut ab, weil die privat für Gesundheitsleistungen aufkommen müssen. Selbstverantwortung funktioniert hier nicht! Gesundheitsversorgung ist deshalb eine öffentliche und eine soldarische Aufgabe.

Solidarisch Finanzierung von öffentlichen Gütern ermöglichen – Aufbau von Steuersystemen!

Die internationale Entwicklungszusammenarbeit kann zum Aufbau von sozialen Sicherungssystemen  wichtige Beiträge leisten. Grundsätzlich geht es hierbei aber auch um eine nachhaltige Finanzierung öffentlicher Güter – gerade das stellt Entwicklungsländer vor enorme Herausforderungen. Zur Finanzierung von sozialen Sicherungssystemen müssen funktionierende Steuersysteme, die Steuervermeidungsstrategien transnationaler Unternehmen durchkreuzen, aufgebaut werden. Kekeritz forderte deshalb auch, dass neben sozialer Gerechtigkeit auch Steuergerechtigkeit auf die globale Agenda gehöre.