Ebola: Ein tödliches Virus auf dem Vormarsch


16.10.2014
Eine der größten gesundheitlichen Krisen unserer Tage hält immer noch an. Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher, fordert schlagkräftige Hilfen und nachhaltige Veränderungen im internationalen öffentlichen Gesundheitssystem.

Die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sich einig: Die dramatische Ausbreitung des Ebola-Virus ist eine der schwersten Gesundheitskrisen seit langer Zeit.

Das Ebola-Virus gibt es schon seit rund 40 Jahren, bislang war es jedoch auf weit abgelegene Gebiete beschränkt. Seit dem Bekanntwerden eines Ausbruches in Guinea im März dieses Jahres hat sich das gefährliche Virus über ganz Westafrika in rasanter Geschwindigkeit ausgebreitet. Ausgerechnet Länder, die Schlussplätze im Human Development Index (HDI) einnehmen, sind nun mit der tödlichen Infektionskrankheit gebeutelt – die öffentlichen Gesundheitssysteme in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria funktionieren schon ohne diesen Notstand nicht. Nun meldet auch der Senegal erste Fälle.

Bislang gibt es schon mehr als 8900 bestätigte Fälle einer Ebola-Infektion. Die WHO fürchtet jedoch eine weitere Ausbreitung in Westafrika auf mehr als 20 000 Erkrankte, andere Schätzungen liegen sogar bei 1,4 Millionen.

Ebola forderte bis Mitte Oktober rund 4500 Menschenleben. Und dass, obwohl das Virus weit weniger ansteckend als eine Grippe ist: Die Infektion verläuft durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten, die direkten Kontakt mit Schleimhäuten oder Wunden haben. Allerdings kann ein indirekter Kontakt mit kontaminierten Bettlaken o.ä. in Krankenhäusern ebenfalls todbringend sein.

Hier zeigt sich bereits ein zentraler Grund für die dramatische Ausbreitung: Die Ausrüstung in Krankenhäusern ist flächendeckend verheerend. Es fehlt an allem; nicht einmal Quarantänestationen können vernünftig errichtet werden. Selbst gut geschultes medizinisches Personal wie Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern, die Ebola-Patienten behandelten, haben sich angesteckt. Viele Menschen sterben nun auch an anderen behandelbaren Krankheiten – viele Krankenstationen bleiben aus Mangel an Kräften oder aus Angst vor Ansteckung dramatisch unterbesetzt, oft auch unbesetzt. Es zeigt sich, dass in der Vergangenheit der Aufbau von verlässlich funktionierenden Gesundheitssystemen sträflich vernachlässigt worden ist.

Die WHO und internationale Staatengemeinschaft haben den Ernst der Lage zu lange verkannt – und haben mit dem anfänglichen Abzug des medizinischen Personals zudem die vollkommen falsche Maßnahme ergriffen.

Nicht nur an sanitärer Ausrüstung mangelt es, auch an Schulungen für Fachkräfte, sowie an Präventions- und Aufklärungsarbeit für die Bevölkerung. Traditionale Bräuche in Westafrika wie die ungeschützte Berührung von Leichnamen und die Angst vor in Schutzanzügen gekleideten Ärzten verhindern oftmals eine Eindämmung der Seuche.

Bislang gibt es auch weder ein rettendes Medikament, noch eine Impfung. Damit sind tausende Infizierte dem Tod geweiht – eine mit ausreichend Mitteln ausgestattete Forschung im Bereich dieser vernachlässigten Krankheiten hätte eine Katastrophe dieses Ausmaßes eventuell verhindern können.

Ebola stellt einen internationalen Krisenfall dar, jedoch ist ein Ausbruch in Ländern mit funktionierenden Notfallsystemen, entsprechenden Hygienestandards und einem aufgeklärten Bewusstsein in der Bevölkerung sehr unwahrscheinlich. Afrika darf nicht wieder einmal als Kontinent der tödlichen Seuchen wahrgenommen werden, den es zu isolieren gilt. Die gegenteilige Reaktion ist angebracht: „Wir müssen mehr medizinisches Personal schicken und mehr Mittel zur Verfügung stellen, damit der WHO-Notfallplan endlich umgesetzt werden kann. Diese Aufgabe darf auch nicht auf Hilfsorganisationen abgewälzt werden, die mit ihren Kapazitäten am Limit sind“, so Uwe Kekeritz.

Ein erstes Maßnahmenpaket gegen die Ebola-Epidemie wurde von der WHO auf rund 370 Millionen Euro beziffert, allerdings sprechen die Vereinten Nationen mittlerweile von einem Finanzierungsbedarf in Höhe von 1 Milliarde US Dollar für die kommenden 6 Monate. Zudem wird ein Bedarf von 750 internationalen und 12 000 nationalen Helfern festgestellt.

Die Krise nach der Krise

Gleichzeitig drohen die vielen Investitionen in den Aufbau der Wirtschaft in Westafrika unwiederbringlich zerstört zu werden. Der Außenhandel liegt aufgrund der zunehmenden Isolation schon jetzt am Boden, die öffentlichen Haushalte sind überlastet, Umsätze sinken – und die Preise für Grundnahrungsmittel wie Maniok stiegen laut FAO um 150 Prozent in den ersten Augustwochen. Weitere Krisen werden der aktuellen Seuche also folgen.

Das deutsche Engagement

Bislang hat die Bundesregierung viel zu zögerlich reagiert. Auch als die WHO am 8. August den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hatte, gab es kaum Reaktionen. Es musste sich erst die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf mit einem dramatischen Appell an die Bundeskanzlerin wenden und der UN Sicherheitsrat die Epidemie als eine „Gefahr für Frieden und Sicherheit der Welt“ einstufen, dass die Bundesregierung aktiv wurde. Bislang wurden gerade mal 17 Millionen Euro bereit gestellt. Allerdings zeigt der Druck aus Opposition und Öffentlichkeit Wirkung und es werden neuerliche Zusagen signalisiert. Wenngleich das ein richtiger Schritt ist, kommt dieser nur leider viel zu spät! Man hätte tausende von Todesopfern vermeiden können, hätte Deutschland und die internationale Gemeinschaft frühzeitig gehandelt.

Die Grüne Bundestagsfraktion hatte anlässlich der dramatischen Lage und der zögerlichen Haltung der Bundesregierung noch im September einen Eilantrag eingebracht.