Die Eine Welt gestalten – Berlinfahrt 25.-27.03.2015


30.03.2015
„Die Eine Welt gestalten“, unter diesem Titel hatte Uwe Kekeritz den Weltladen Gemünden und viele Interessierte aus Franken nach Berlin eingeladen. Treffen im Entwicklungsministerium (BMZ), mit der GIZ, der Welthungerhilfe, dem Inkota-Netzwerk sowie mit Uwe Kekeritz standen auf dem Programm neben Stadtrundfahrt und dem Besuch einer Plenarsitzung.

Warme Worte des Ministers
Grüne Zentren, Textilbündnis und die Sonderinitiative eine Welt ohne Hunger. Alles wohlklingende Konzepte von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mit bisweilen guten Ansätzen, die BMZ-Referent Thomas Feidieker vorstellte.

Restlos überzeugen konnte er die TeilnehmerInnen jedoch nicht. Zu vieles scheint (noch) schöne Fassade zu sein. Das durchaus ambitionierte Textilbündnis ist schon vor seinem Start gescheitert, weil die meisten Unternehmen nicht mitmachen. Und die Grünen Zentren sind eher ein Entwicklungsprogramm für die deutsche Agrarwirtschaft als nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit. Tiefgreifende, strukturelle Veränderungen lässt Minister Müller bisher vermissen, auch wenn er einen anderen Sound als ein Vorgänger pflegt.

Konkrete Entwicklungszusammenarbeit
Konkrete Entwicklungszusammenarbeit führt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag der Bundesregierung aus. Seit der Verschmelzung der drei Vorgängergesellschaften bietet die GIZ nun eine breite Palette internationaler Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung an, wie Klaus Brückner, Leiter der Repräsentanz Berlin, ausführte.

Tätig wird die GIZ auf der Grundlage völkerrechtlich verbindlicher Verträge, die die Bundesregierung mit Partnerländern schließt. Im Rahmen der Zielsetzung und des Budgets kann die GIZ frei nach fachlichem Wissen agieren.

Wie das in der Praxis aussieht, das stellten Michael Marien und Dorothee Krause vor. Marien war in einem Projekt zur Wirtschaftsentwicklung und beruflichen Bildung in Indonesien tätig. Krause hat in einem Projekt zur Reformierung des öffentlichen Finanzsektors in Serbien gearbeitet.

Fast Fashion kills
Der rasante Kollektionswechsel der Bekleidungsketten und der Dumping-Wettbewerb, durch den manches T-Shirt für gerade einmal zwei Euro über den Ladentisch geht, sorgen für miserable, bissweilen lebensgefährliche Arbeitsbedingungen und Löhne, die nicht zum Leben reichen für die NäherInnen. Dagegen engagiert sich die Kampagne für saubere Kleidung, der auch das Inkota-Netzwerk angehört.

Berndt Hinzmann von Inkota kritisierte, dass die Opfer des Fabrikeinsturzes von Rana Plaza (Bangladesch), bei dem 2013 über 1000 Menschen ums Leben kamen, immer noch auf Entschädigungszahlungen der deutschen und internationalen Konzerne, die dort fertigen ließen. Öffentlicher Druck auf die Firmen ist nötig, damit die Überlebenden und Hinterbliebenen endlich zu ihrem Recht kommen.

Um künftige Katastrophen zu vermeiden, ordentliche Arbeitsbedingungen und einen auskömmlichen Lohn für die TextilarbeiterInnen weltweit zu garantieren, hält Hinzmann die Siegel-Initiative des Entwicklungsministers Gerd Müller für einen ersten guten Schritt. Auch wenn für die beteiligten Unternehmen alles nur freiwillig ist. „Wenn nicht genug mitziehen, müssen verpflichtende Regeln eingeführt werden“, ist für Hinzmann klar.

Auch wenn nicht alle Verantwortung auf die VerbraucherInnen abgewälzt werden kann, haben KonsumentInnen durchaus die Möglichkeit bei ihrem Einkauf auf soziale und ökologische Kriterien zu achten. Überhaupt ist der öffentliche Druck der BürgerInnen ein durchaus wirksames Mittel, um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern.

Global denken, lokal handeln
„Unser Handeln, unsere Politik in Europa und in den anderen Industrienationen hat Auswirkungen auf die Schwellen- und Entwicklungsländer. Darum müssen wir bei uns anfangen, um die Situation in den Ländern des globalen Südens zu verbessern“, ist Uwe Kekeritz überzeugt.

So forderte Kekeritz klare, verbindliche Regeln für Unternehmen, die weltweit produzieren lassen oder Rohstoffe aus Schwellen- und Entwicklungsländern beziehen. Denn die EinkäuferInnen und AuftraggeberInnen tragen Verantwortung für die Arbeits- und Umweltstandards ihrer Lieferanten.

„Freiwillige Selbstverpflichtungen sind nur zahnlose Tiger. Es ist endlich an der Zeit, dass jene, die die Gewinne machen auch dafür sorgen, dass es den Menschen gut geht, die maßgeblich zu diesen Gewinnen beitragen“, fordert Kekeritz.

Hunger weiter bekämpfen
„Die Welthungerhilfe kämpft seit über 50 Jahren gegen den Hunger in der Welt. Unser 100. Jubiläum wollen wir nicht mehr feiern. Denn bis spätestens dahin wollen wir uns überflüssig gemacht haben, weil es keinen Hunger mehr gibt“, so Stephan Kreischer.

Auch wenn sich der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung seit 1990 halbiert hat, leiden weiterhin 795 Millionen Menschen weltweit unter Hunger. „Dass es überhaupt Hunger gibt ist der eigentliche Skandal. Wir wollen den Hunger generell überwinden“, so Kreischer.

Um im Kampf gegen den Hunger dauerhaft erfolgreich zu sein, gilt es die Armut in den Ländern des globalen Südens zu bekämpfen. Dazu führt die Welthungerhilfe etliche Projekte durch. So fördert sie zum Beispiel die einheimische Bienenzucht und Möbelproduktion in der Amhara-Region in Äthiopien. In Ruanda wiederum leitet die Welthungerhilfe Projekte an zur Bewässerung, zur Terrassierung von Felder und zur Quelleinfassung. „Das sind oft einfache Lösungen, die aber eine große Wirkung entfalten“, so Kreischer.