Die Bill & Melinda Gates Stiftung – alles Gold was glänzt?


28.01.2013
Uwe Kekeritz traf Microsoft-Gründer Bill Gates in Berlin und diskutierte mit ihm über die Arbeit seiner Stiftung, globale Gerechtigkeit und Gentechnik.

Als Vorsitzender des Unterausschusses für Gesundheit in Entwicklungsländern würdigte Uwe Kekeritz bei einem Gespräch mit dem Microsoft-Gründer in Berlin die positiven Impulse der Gates Stiftung insbesondere im Gesundheitsbereich. Gleichzeitig äußerte sich Kekeritz aber auch betont kritisch zur Förderung von gentechnisch verändertem Saatgut durch die Gates-Stiftung: „Wer in der Gentechnik das Allheilmittel sieht, verkennt die Realitäten. Gerade in Lateinamerika sieht man schon jetzt die negativen Folgen für Gesundheit und Umwelt“, so Kekeritz. Gates argumentierte dagegen, dass in Anbetracht einer weiter steigenden Bevölkerungszahl die landwirtschaftlichen Anbauflächen nicht beliebig vermehrbar wären und daher erhebliche Produktivitätssteigerungen nötig seien. Die Stiftung habe daher auch im Jahr 2006 die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) ins Leben gerufen mit dem Ziel die landwirtschaftliche Produktivität afrikanischer Bauern durch gentechnisch manipulierten Hochertragssaatgut, unter anderem von Monsanto, zu verbessern. Auch hier hakte Kekeritz kritisch ein, „es ist äußerst bedenklich die Bauern in die Abhängigkeit von Großkonzernen wie Monsanto zu treiben.“ Und weiter sagt Kekeritz, „gerade der Weltagrarbericht hat uns doch aufgezeigt, dass die kleinbäuerliche ökologische Landwirtschaft der Schlüssel für weltweite Ernährungs-Souveränität ist und eine sozial, ökologische und gerechte nachhaltige Entwicklung ermöglicht.“ Die Bedenken von Kekeritz werden auch von 100 internationalen Entwicklungsexperten und Wissenschaftlern geteilt, die 2010 einen offenen Brief an Bill Gates unterzeichneten. Darin werfen Sie der Stiftung vor, dass deren Produktivitätsoffensive nur kurzfristige Erfolge bringe und vor allem den Konzernen nütze. Statt die Ausbreitung der Gentechnik voranzutreiben, solle Gates lieber stabile, agrarökologische Anbausysteme fördern.

Gleichzeitig mahnte Bill Gates, dass trotz der Sparzwängen und Euro-Krise weiter ausreichend Mittel für die Entwicklungspolitik bereitzustellen seien. Der Microsoft-Gründer sagte, ihn betrübe, dass das Versprechen 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, bei weitem weder von Deutschland noch von einer Mehrzahl der Europäischen Staaten erreicht werde. Kekeritz teilt diese Einschätzung und betont, dass die Grüne Bundestagsfraktion demgegenüber einen Haushaltsentwurf vorgelegt habe, der 1,2 Milliarden zusätzliches Geld für die Entwicklungszusammenarbeit vorsehen würde.

Unbeantwortet blieb die Frage von Kekeritz zu den Verwicklungen der Gates Stiftung in den Tod von mehreren Mädchen in Indien im Jahr 2009. Aus Presseberichten geht hervor, dass die BMGF 2009 eine von der Nichtregierungsorganisation Path durchgeführte Beobachtungsstudie finanzierte, in deren Rahmen Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs geimpft wurden. Obwohl Path und die indische Regierung einen Zusammenhang mit dem Impfstoff abstreiten, stellte sich heraus, dass weder eine Nachbeobachtung stattfand, noch Nebenwirkungen erfasst wurden, noch eine unabhängige Untersuchung der Todesfälle durchgeführt wurde. Ebenso steht der Vorwurf im Raum, dass zahlreiche Impfungen ohne die Erlaubnis der Eltern durchgeführt wurden.

Die Bill and Melinda Gates Foundation (BMGF) ist die größte Privatstiftung der Welt und wurde 1999 ins Leben gerufen. Sie verfügt über ein Gesamtvermögen von über 36 Milliarden US-Dollar und ist damit ein wichtiger Player in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Zum Vergleich: Das Budget der Bundesregierung für Entwicklungszusammenarbeit beträgt für das Jahr 2013 8,5 Milliarden US-Dollar. Die BMGF ist besonders im Gesundheitsbereich aktiv, so unterstützt sie beispielweise auch globale Gesundheitspartnerschaften, wie den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria oder investiert in weltweite Impfkampagnen.