Das vergessene Viertel der Weltbevölkerung


06.11.2014
Dr. Babatunde Osotimehin, Exekutivdirektor des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) traf sich mit Uwe Kekeritz in Berlin, um die anstehenden Herausforderungen für die Post-2015 Agenda zu diskutieren. Insbesondere die Situation der Jugendlichen weltweit und die Langzeitfolgen von Ebola standen im Fokus der Diskussion.

Derzeit gibt es 1,8 Mrd. Jugendliche auf der Welt, das entspricht über einem Viertel der Weltbevölkerung und dennoch werden sie häufig vergessen. Der diesjährige Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen wird auf diese Problematik aufmerksam machen. Anlässlich der Veröffentlichung des Berichts im November traf sich Uwe Kekeritz mit Dr. Babatunde Osotimehin, Exekutivdirektor des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, der zu Beginn des Gesprächs feststellte: „Häufig fallen Jugendliche durch das Raster der internationalen Aufmerksamkeit, obwohl sie genauso stark von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Besonders Mädchen sind am verletzlichsten. Deshalb muss sich die internationale Gemeinschaft verstärkt für die Rechte der Mädchen einsetzen. Das wäre ein erheblicher Beitrag zur allgemeinen Verbesserung der Situation der Jugendlichen auf der ganzen Welt.“ Uwe Kekeritz betonte die Wichtigkeit dieser Diskussion besonders in Hinblick auf die aktuellen Verhandlungen zur Post-2015 Agenda und fordert: „Die deutsche Bundesregierung muss sich stärker in die Verhandlungen zur Post-2015 Agenda einbringen. Deutschland muss eine Vorreiterrolle bei der Stärkung der Menschenrechte einnehmen und sich besonders für eine Verbesserung der Situation der Kinder, Jugendlichen und Frauen einsetzen.“

Die Situation von Kindern, Jugendlichen und Frauen in der Ebola Region

Neben der allgemeinen Situation der Jugendlichen weltweit diskutierten Uwe Kekeritz und Dr. Babatunde Osotimehin ganz konkret die aktuelle Lage der Kinder, Jugendlichen und Frauen in der Ebola Region. Dr. Babatunde Osotimehin verdeutlichte: „ Die Gesundheitssysteme in den Ländern, die von Ebola betroffen sind, sind derzeit völlig überlastet. Da die Krankenstationen all ihre Ressourcen verwenden müssen, um die Ebola Epidemie zu stoppen, bleiben keine Kapazitäten übrig, Menschen die von Malaria oder anderen lebensgefährlichen Krankheiten betroffenen sind, zu behandeln sowie Schwangeren und kranken Kindern zu helfen. Somit wird die Kinder- und Müttersterblichkeit in diesen Ländern wieder stark zunehmen und bei weitem mehr Tote kosten als der Ebola Virus.“ Uwe Kekeritz betonte, dass deshalb neben den aktuellen Anstrengungen, die Ebola Epidemie zu stoppen, langfristig ausgerichtete Projekte implementiert werden müssen, die genau an diesen Punkten angreifen. „Neben dem Aufbau von Gesundheitssystemen, die die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellt, muss auch die Menschenwürde der Betroffenen wieder aufgebaut werden.“, so Uwe Kekeritz.

Die weltweite Situation der Jugendlichen

Jugendliche gestalten soziale und wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftliche Normen und Werte und bilden das Fundament der Zukunft. Heute reifen Jugendliche früher als alle bisherigen Generationen und stellen dabei hohe Erwartungen an sich, aber auch an ihre Gesellschaft aus der Welt eine bessere zu machen. Dank der neuen Medien sind sie wie nie zuvor miteinander vernetzt. Aufgrund der Globalisierung treiben sie sozialen Fortschritt weltweit voran und sind mit verantwortlich für die Nachhaltigkeit und Belastbarkeit ihrer Gemeinden und Nationen.

Obwohl mit der Umsetzung der Millenniumentwicklungszielen schon bemerkenswerte Fortschritte erzielt wurden, mangelt es immer noch an den nötigen Investitionen in Jugendliche, insbesondere in Mädchen, die nötig wären, damit sie ihr volles Potential entfalten könnten. Beispielsweise waren 26% der Mädchen, das entspricht einer Zahl von 39 Millionen, und 17% der Jungen im Alter zwischen 11 – 15 Jahren 2008 nicht in eine weiterführende Schule eingeschrieben. Über 215 Millionen minderjährige Kinder arbeiten in Voll-oder Teilzeit, während Jugendliche im Alter zwischen 15 – 24 Jahren keine Arbeit finden können.

Die Pubertät ist bei Millionen von Jugendlichen nicht nur die Zeit, in der sie körperliche Veränderungen erfahren, sondern meist auch Anlass für Menschenrechtsverletzungen, vor allen in Bereichen wie Sexualität, Ehe und Schwangerschaft. Auch hier sind Mädchen die schutzlosesten, denn noch immer werden Millionen Mädchen zu ungewolltem Sex oder in Ehen gezwungen. In der Folge führt das zu ungewollten Schwangerschaften oder gefährlichen Abtreibungen sowie zur Übertragung von sexuellen Infektionskrankheiten wie etwa HIV/Aids.