Can’t be silent! – Flüchtlingen eine Stimme geben!


11.06.2014
Am Dienstag, dem 10. Juni 2014, veranstaltete die Grüne Jugend Mittelfranken im Babylon Kino in Fürth eine Vorführung des Films „Can‘t be silent“. Uwe Kekeritz diskutierte im Anschluss mit verschiedenen ExpertInnen über die aktuellen Probleme der Flüchtlingspolitik.

„Can’t be Silent“ thematisiert die Zusammenarbeit zwischen der Musikband Strom&Wasser und Asylsuchenden aus unterschiedlichen Ländern. Der Film begleitet das Musikensemble, das gemeinsam mit MusikerInnen aus AsylbewerberInnenheimen auf Tournee ging um auf die Lage der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Die beteiligten MusikerInnen erzählen in kurzen Interviews von ihren teils traumatischen Erfahrungen in deutschen Flüchtlingsheimen und der beunruhigenden Gewissheit, dass ihr Aufenthalt nur zeitlich befristet ist.

Die Diskussion wurde sehr lebhaft geführt und von dem Publikum durch Zwischenfragen und Wortbeiträgen aktiv mitgestaltet. Anfangs drehte sich die Debatte vor allem um die Gemeinschaftsunterbringung von Flüchtlingen. Nigar Shirinowa, die seit über 16 Jahren im Flüchtlingsheim Dietenhofen lebt, kritisierte dieses Modell scharf. Allerdings sprach sich Franz Ganster von der Caritas aufgrund des geringeren organisatorischen Aufwands für die zentrale Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften aus. Uwe Kekeritz erzählte in diesem Kontext von einem vorbildlichen Projekt in Coburg, wo Flüchtlinge dezentral auf alle Gemeinden verteilt werden. So werden die einzelnen Gemeinden nicht zu stark durch große Unterkünfte belastet, sondern alle Gemeinden leisten einen Beitrag für die Aufnahme von Flüchtlingen. „Diese Form der Unterbringung ermöglicht den Menschen ein selbstbestimmtes, menschenwürdiges Leben. Wir müssen endlich begreifen, dass Flüchtlinge keine Gefahr, sondern eine Bereicherung darstellen! Die derzeitigen Bedingungen sind einer modernen, offenen Gesellschaft nicht würdig!“, gibt Uwe Kekeritz zu bedenken. Zudem machte er deutlich, dass der höhere organisatorische Aufwand, der durch die dezentrale Unterbringung zum Beispiel für SozialpädagogInnen und andere BeraterInnen entsteht, besser gefördert werden müsse.

In der weiteren Diskussion sprach sich Uwe Kekeritz auf Nachfrage von Franz Ganster deutlich für die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes aus. Hierzu führte er weiter aus: „Es ist völlig unverständlich, dass Flüchtlinge in Deutschland anders behandelt werden als andere Menschen. Wir müssen ihnen eine existenzsichernde Grundversorgung und eine Krankenversicherung zur Verfügung stellen, anstatt sie mit den in Mittelfranken bis Ende dieses Jahres immer noch üblichen Essenspaketen zu schikanieren“.

Am Ende der Veranstaltung kündigte Franz Ganster an, Nigar Shirinowa und ihre Familie zu unterstützen. Für ihn und für Carmen Schmudlach vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge war es kaum zu glauben, dass die 19-Jährige nach all den Jahren, trotz Realschulabschluss und Berufsausbildung, noch keinen Aufenthaltsstatus hat. Außerdem wies Ganster auf die vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten hin, durch die Flüchtlinge unterstützt werden können. Im Publikum fand dies großen Anklang. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Flüchtlingen in Deutschland eine faire Chancen gegeben werden muss. Die Politik muss hierzu jedoch die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen.